Wie Hutmacher Laeisz zu den Flying-P-Linern kam

Von Dierk Strothmann

Alles begann damit, dass ein gewisser Ferdinand Laeisz zu viele Hüte nach Südamerika verkaufte. Der gebürtige Hamburger war eigentlich Buchbinder, ging als Geselle auf Wanderschaft, lernte in Berlin, wie man Seidenhüte herstellt, kehrte an die Elbe zurück und machte sich im Jahre 1824 als 23-Jähriger als Hutmacher selbständig. Zunächst dümpelte das Geschäft vor sich hin, bis er eines Tages einem Kapitän ein paar seiner Zylinder nach Buenos Aires mitgab, wo sie schnell Karriere machten. Die Folge: Immer mehr Hüte gingen nach Südamerika, bezahlt wurde zunächst selten, dann aber immer öfter mit Naturalien wie Rohstoffen, Kunsthandwerk und "Kolonialwaren".

Um dies alles transportieren zu können, brauchte man Schiffe. Und da häufig noch Platz war in den Laderäumen dieser Schiffe, schickte man nicht nur Hüte hin und deren Gegenwert zurück, sondern auch andere Güter.

1839 bestellte Ferdinand Laeisz bei F. Meyer in Lübeck eine Brigg und nannte sie nach seinem seinerzeit elfjährigen Sohn "Carl". Es wurde kein überragender Erfolg, "Carl" wurde schon bald wieder verkauft. Aber ein erster Schritt war getan, und 1847 begann Ferdinand Laeisz dann wirklich Schifffahrtsgeschichte zu schreiben: Zusammen mit anderen Herren der Hamburgischen Kaufmannschaft, darunter Adolph Godeffroy, H.J. Merck und Carl Woermann, gründete er die Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft, die HAPAG.

Erstmals rund um Kap Hoorn

Fünf Jahre später stieg Carl Laeisz in die außerdem weiter bestehende Reederei seines Vaters ein, und mit ihm kam neuer Schwung. 1857 wurde erstmals wieder ein Schiffsneubau bestellt, und da Carls Ehefrau Sophie mit einer derartigen Naturkrause gesegnet war, dass alle Welt sie nur "Pudel" nannte, wurde auch die Bark so genannt. Was dazu führte, dass bis heute die Namen aller Laeisz-Schiffe mit "P" beginnen.

1862 landeten Vater und Sohn Laeisz einen neuen Coup: Der erste Segler umrundete Kap Hoorn mit Ziel Valparaiso in Chile, um mit Salpeter und Guano beladen nach Hamburg zurückzukehren. Es war die Geburtsstunde der weltberühmten Flying-P-Liner, zu denen Berühmtheiten wie die Fünfmastbarken "Preußen" und "Potosi", die unglückliche "Pamir", ihr Schwesterschiff "Passat", das heute in Travemünde liegt, die "Peking", heute Museumsschiff in New York, und die "Padua" gehören, die als "Krusenstern" noch heute über die Weltmeere rauscht.

Als 1879 mit Ferdinands Enkel Carl Ferdinand die dritte Generation in die Leitung der Firma eintrat, war aus dem alten Hutmachergeschäft längst ein Weltunternehmen geworden, auf das der alte Herr stolz sein konnte. Vor 120 Jahren, am 7. Februar 1887, schloss Ferdinand Laeisz für immer die Augen.