Sternberg • Der Geburtstag von Sternbergs berühmtem Sohn Alexander Behm jährte sich am 11. November zum 125. Male. Eine schlichte Gedenktafel in der Kütiner Straße 3 erinnert an sein Geburtshaus.
Alexander Behm, deutscher Physiker und Dr. h. c., ist der Erfinder des Echolots. Eines Messinstruments, das Eisberge melden und Tiefenmessungen ausführen kann. Und deshalb für Seefahrt und Fischerei heute unentbehrlich ist. Der Untergang der Titanic am 15. April 1912, bei dem rund 1500 Menschen ihr Leben verloren, war es, der den Physiker animierte, sofort mit großer Tatkraft ein Gerät zu entwickeln, das künftige ähnliche Unglücke ausschließen sollte. Behm kam dabei seine vielseitige technisch-wissenschaftliche Ausbildung sehr zugute. In vielen Versuchen begann er, Hindernisse durch Schallwellen zu orten.
Und hatte schon bald Erfolg. So meldete er sein erstes Patent bereits im Unglücksjahr an. Die simple Wirkungsweise: Schallwellen werden von der einen Seite des Schiffes gesendet, laufen unterhalb des Schiffes zum Meeresgrund und werden dann zur anderen Seite zurückgeworfen und aufgefangen. Da die Geschwindigkeit des Schalls im Wasser bekannt ist, nämlich 1407 m/s, muss nur die Zeit, die das Echo von der einen zur anderen Seite benötigt, halbiert werden, um den Abstand zum Meeresgrund zu erfahren. Die Schallwellen werden also von oben nach unten zum Meeresgrund gesendet.
Behm hatte aber eigentlich geplant, Schallwellen nach vorn auszusenden, um Schiffe vor Hindernissen wie z. B. Eisbergen rechtzeitig zu warnen. Dieses sein Vorhaben musste aber scheitern, weil der Reflektions-Koeffizient (Verhältniszahl) von Eis gegenüber Wasser zu klein ist. Insofern ging seine Erfindung in eine ganz andere Richtung. Nämlich statt in die horizontale nun in die vertikale. Behms Begründung: "Es ist viel wichtiger, die Meerestiefe zu loten als Hindernisse voraus. Denn es laufen bekanntlich viel mehr Schiffe auf Grund auf als gegen Eisberge."
Sein erstes Patent in Deutschland wurde im Jahre 1913 angemeldet unter der Überschrift: "Einrichtung zur Messung von Meerestiefen und Entfernungen und Richtungen von Schiffen oder Hindernissen mit Hilfe reflektierter Schallwellen."
Alexander Behm wurde im Laufe der Zeit Inhaber von über 100 in- und ausländischen Patenten verschiedener Art. Für seine "hervorragende, für die Schifffahrt so überaus wichtige Erfindung des Echolots" verlieh ihm die Medizinische Fakultät der Universität Kiel im Jahre 1928 die Ehrendoktorwürde.
Alexander Karl Friedrich Franz Behm wurde am 11. November 1880 in Sternberg geboren. Er verbrachte aber nur wenige Kinderjahre in seinem Geburtsort. In der 30 km entfernten größeren Stadt Parchim besuchte er das Gymnasium. Doch schon bald zogen seine Eltern nach dem zu jener Zeit deutschen Hadersleben, das nach dem 1. Weltkrieg durch Abstimmung an Dänemark fiel. Dort besuchte er dann wieder das Gymnasium. Seinem Lehrer Prof. Dunker fiel schon bald seine besondere Begabung für Physik auf. Nach dem Abitur folgte ein einjähriges Praktikum bei einem Büchsenmacher. Und dann ging Alexander Behm zum Studium an die Technische Hochschule nach Karlsruhe.
Doch schon bald wechselte er zum dortigen Physikalischen Institut, wo er Assistent von Geheimrat Prof. Dr. Otto Lehmann, dem Erfinder der flüssigen Kristalle, wurde. Hier war es auch, wo Behm seine Begabung für die Konstruktion physikalischer Präzisionsgeräte weiter ausschöpfen konnte. Hauptsächlich beschäftigte er sich aber mit akustischen Untersuchungen und schuf in diesem Rahmen das Behm–Sonometer, ein Instrument zur Bestimmung von Schallstärken. Dieses Sonometer wurde zum Ausgangspunktfür das spätere Echolot.
Von Karlsruhe aus verzog Behm nach Wien, wo er eine physikalisch-technische Versuchsanstalt leitete. Hier entwickelte er besondere akustische Messgeräte, die für sein späteres Wirken bedeutsam werden sollten. Und hier erreichte ihn auch die Nachricht vom Untergang der Titanic. Noch im selben Jahre reiste Behm nach Kiel und unternahm erste Versuche im dortigen Hafen. Kiel und das kleine Dorf Tarp wurden seine neue Heimat. Ein ausgemustertes Kanonenboot diente ihm als Kieler Laboratorium.
Nur wenigen vielleicht bekannt: Alexander Behm war auch passionierter Angler. Als solcher machte er eine für sich ebenso wichtige zweite Erfindung: die Behm-Fliege. Dabei handelt es sich um einen Angelköder.
Dr. h. c. Alexander Behm verstarb am 22. Januar 1952 im Alter von 71 Jahren, schwer zuckerkrank, in Kiel. Er wurde in Oeversee, wenige Kilometer südlich von Flensburg, beigesetzt.