25.02.2008 Die MIR nimmt Kurs auf Travemünde

Mitsegeln am 21. Mai 2008 ab/an Travemünde

Das russische Segelschulschiff MIR nimmt auch im Jahr 2008 wieder Kurs auf das Ostseeheilbad Travemünde. Der imposante Großsegler wird am Dienstag, 20. Mai, um ca. 16.00/17.00 Uhr am Ostpreußenkai festmachen und Travemünde am Donnerstag, 22. Mai, Richtung St. Petersburg wieder verlassen. Am Mittwoch, 21. Mai, startet die Mir um 11.00 Uhr zu einem Tagestörn ab/an Travemünde/Ostpreußenkai. Gesegelt wird auf der Ostsee je nach Windrichtung Richtung Neustadt oder Richtung Mecklenburger Küste.

Wer an Bord mal so richtig mit »anpacken« möchte, darf auch aktiv mitsegeln und Segel setzen, in die Masten klettern und Seemannsknoten knüpfen. Es gibt natürlich auch viele Möglichkeiten, an Bord zu entspannen und die Seele einmal so richtig baumeln zu lassen und Wind, Wellen und die frische Meeresbrise zu genießen, während andere aktiv sind. Kosten pro Person € 68,- inkl. Imbiss an Bord (Borschtsch-Suppe, Piroggen, Kaffee/Tee), Kinder von 6 bis 14 Jahren: € 49,00. Einschiffung ab 10.00 Uhr am Ostpreußenkai, Abfahrt: 11:00 Uhr, Ankunft: ca. 17:00 Uhr am Ostpreußenkai.

Wer an Bord des Großseglers mitsegeln möchte, kann sich über die Hotline der Lübeck und Travemünde Marketing GmbH unter 0451-88 99 700 oder über charter@luebeck-tourismus.de sowie auf der Internetseite: www.sail-travemuende.de (Segeltörns) informieren und buchen. Für die Buchung wird eine einmalige Bearbeitungsgebühr von 2,50 € inkl. 19% Mwst. erhoben, Anzahl der Mindestteilnehmer: 120 Personen.

Die MIR wurde 1987 gebaut und hat bei »The Tall Ships’ Races« 2007 im Mittelmeer den 3. Platz errungen. Die MIR läuft unter russischer Flagge, Heimathafen ist St. Petersburg. Der Großsegler dient als Ausbildungsschiff der Marine für künftige Offiziere und nimmt weltweit an vielen Segelregatten teil.

Die MIR kommt auf ihrem Törn nach Travemünde direkt aus Larwick/UK. Gern vermittelt die Lübeck und Travemünde Marketing GmbH eine Mitfahrt ab Hamburg, 12.Mai, nach Larwick und Travemünde oder ab Travemünde, 22. Mai, nach St. Petersburg.

23.02.2008 Rouen feiert mit «Armada» die weltgrößte Windjammerparade

Rund 30 Großsegler und mehrere Millionen Schaulustige erwartet die Stadt Rouen in Frankreich zur «Armada». Das teilte das Tourismusamt Maison de la France bei einer Präsentation in Hamburg mit.

Bei der nach Veranstalterangaben weltweit größten Windjammerparade sollen vom 5. bis 14. Juli Schiffe aus etwa einem Dutzend Länder im Hafen der Normandie-Hauptstadt festmachen. Besucher können die Großsegler besichtigen und mit den rund 6000 Crewmitgliedern ins Gespräch kommen. Außerdem werden Konzerte und Feuerwerke geboten. Die «Armada» wird nur alle vier bis fünf Jahre veranstaltet.

Auftakt der Großveranstaltung ist das Einlaufen der ersten Schiffe am 4. Juli. Auf der Seine legen sie dabei vom Ärmelkanal her etwa 120 Kilometer landeinwärts zurück. Mit der «Armada» werde auch die neue Gustave-Flaubert-Brücke in Rouen eingeweiht, sagte die Sprecherin der Tourismusregion Normandie, Andrea Sölter. Die Seine-Brücke lässt sich bis auf eine Höhe von 55 Metern über dem Wasserspiegel anheben und sei damit die höchste Hebebrücke der Welt. Für die Besucher der «Armada» sei die Teilnahme an den Veranstaltungen kostenlos. Bei der bislang letzten «Armada» 2003 seien neun Millionen Zuschauer gezählt worden. Zuvor gab es die «Armada» in den Jahren 1989, 1994 und 1999.

Viele Schiffe, deren Teilnahme bereits feststeht, stammen aus den Niederlanden. Darunter ist mit der 1905 gebauten «Atlantis» auch das älteste Schiff der Flotte. Mit den Dreimastern «Dar Moldziezy» aus Polen und «Mir» aus Russland sind außerdem zwei Segelschiffe von mehr als 100 Metern Länge angekündigt. Das Spektakel endet mit einer großen Auslaufparade am 14. Juli, dem französischen Nationalfeiertag.

Bei der «Armada» im Juli 2008 soll auch die Gustave-Flaubert-Brücke über die Seine eingeweiht werden. (Bild: Armada de la Liberté/CRT Normandie/dpa/tmn)

20.02.2008 Tischler zimmern im Harburger Hafen eine Römer-Galeere

Sie kostet 230 000 Euro, wird im Mai auf der Alster getauft

Harburg – Römische Kriegsgaleeren waren der Schrecken der vorchristlichen Seefahrt! Ein tödlicher Rammsporn am Bug, kleine Kastelle für Bogenschützen und eine Brücke zum Entern feindlicher Schiffe. Seit Hunderten Jahren werden sie nicht mehr gebaut. Doch jetzt wird im Harburger Hafen wieder eine Römer-Galeere gezimmert. BILD war exklusiv dabei!

Holzspäne fliegen vom neun Meter langen Eichenmast, als Camara Mohamed (37) mit seinem Hobel übers Holz rast. „Ich habe ihn aus einem einzigen Stück Holz gemacht“, sagt der Praktikant stolz.

Tischlerin Maike Brött (26) stößt mit Holzhammer und Meißel tiefe Taschen ins dicke Holz der Reling – in den Löchern werden die Dollen versenkt: stabile Holzstäbe, an denen Ruderer später ihre 18 langen Riemen führen. Am Heck der 16 Meter langen Galeere steht: „Wir bremsen für niemanden.“

Das Projekt wird vom gemeinnützigen Verein „Jugend in Arbeit“ durchgeführt.

Vize-Chef Reinhard Wolf:„Solche Spezialarbeiten können wir am besten in der Hafenstadt Hamburg machen.“

Und Projektleiterin Carolin Groß (25) erklärt: „Baustart war am 2. April 2007. Ende Mai ist Taufe auf der Kleinen Alster vor dem Rathaus.“ Danach geht die 230 000 Euro teure Galeere per Sattelschlepper nach Nordrhein-Westfalen. Dort wird sie 2009 Attraktion der Feier „2000 Jahre Varusschlacht“, der Niederlage Roms gegen die Germanen.

20.02.2008 „Der Längengrad – Longitude“

Die wahre Geschichte zweier Männer

Die bewegende Lebensgeschichte zweier Männer. Während John Harrison (Michael Gambon) mit seiner Erfindung des Chronometers die Weltgeschichte verändert hat, sorgte Rupert Gould (Jeremy Irons) 200 Jahre später dafür, dass dieser Verdienst niemals in Vergessenheit geraten wird.

Die DVD gibt es ab sofort im Handel!

England im Jahre 1714. Queen Anne setzt eine unermesslich große Belohnung für denjenigen aus, der es endlich schafft, eine verlässliche Navigation auf See zu ermöglichen. Denn bisher war man gezwungen, auf alle möglichen Methoden zurückzugreifen, bis hin zu lächerlich anmutendem Hokuspokus. Da die Seefahrt eine der Lebensadern des Königreiches war, wurde dieses Projekt allgemein als das wichtigste seiner Zeit angesehen.

Da kommt ausgerechnet ein unbekannter Handwerker daher und behauptet, das Unmögliche geschafft zu haben! John Harris wird von den Gelehrten der Jury jahrzehntelang in die Mangel genommen. Zu groß wäre der Skandal, wenn einem einfachen Mann tatsächlich gelungen wäre, woran sämtliche renommierte Wissenschaftler dieser Zeit kläglich scheiterten. 40 Jahre seines Lebens wird Harrison diesem Projekt widmen und dabei mehr als einmal das Wohl seiner Familie aufs Spiel setzen.

Die Anerkennung für seine Erfindung, die tatsächlich die Seefahrt revolutionieren sollte, kam nur spärlich. Ebenso wie das ausgelobte Preisgeld. Als sich der britische Weltkriegsveteran Rupert Gould 1920 mit dem verstaubten und vergessenen Erbe Harrisons auseinandersetzt, wird endgültig klar, welch meisterliche Arbeit das geschmähte Genie von einst vollbracht hat. Doch Gould ist von einem ähnlichen Schlag. Für ihn wird der Kampf um die Anerkennung von Harrisons Arbeit zu einer Obsession. Und auf einmal werden Parallelen deutlich, zu dem Mann von damals, der sein Leben aufs Spiel setzte, um seinen Traum zu verwirklichen.

„Der Längengrad“ erzählt eine Geschichte, die viele vermutlich gar nicht kennen. Dabei wird hier die Historienstunde nicht trocken und langweilig, sondern mit viel Schmiss und Elan erzählt. Interessant ist dabei der Aufbau in Form von zwei parallel erzählten Geschichten, die einander nicht nur ergänzen, sondern filmisch auch sehr gut bedingen. Die Synchronisation ist gut gelungen, auch wenn es ungewohnt ist, den Synchronsprecher von Don Johnson auf Jeremy Irons zu hören.

20.02.2008 Elbe-Schiffswrack ist Sensations-Fund

War es ein Sturm, in dem es auf der Unterelbe versank oder hatte es vielleicht sogar einen Überfall gegeben? Noch wissen die Archäologen herzlich wenig über das Schiffswrack, das im Dezember bei Peilarbeiten vor Stade tief im Elbschlick gefunden wurde. Doch ein wenig Licht ins Dunkel hat jetzt die Labor-Untersuchung einer der Schiffsplanken beim Deutschen Archäologischen Institut in Berlin ergeben. Taucher hatten dazu das Stück Holz vom Wrack geborgen. Nach den neuen Analysen stammt das etwa 14 Meter lange Segelschiff aus der Zeit um 1630. "Ein einzigartiger Fund für Norddeutschland", wie der Stader Stadtarchäologe Andreas Schäfer sagt. Ein so altes Flussschiff sei hier bisher noch nicht gefunden worden. Zudem sei es nahezu vollständig erhalten, wie Taucher herausgefunden hatten.

Danach handelt es sich um ein Schiff mit flachem Rumpf und spitzen Steven an beiden Enden. Über solche Elbsegler aus dem 17. Jahrhundert gebe es aber bisher nur wenige vage Aufzeichnungen, so Schäfer. Die ältesten bislang erhaltenen Schiffe dieses Typs seien in der Mitte des 19. Jahrhunderts gebaut worden. Das Holz stamme laut den Laboranalysen vermutlich aus der Prignitz zwischen Elbe und Müritz. Doch was es geladen hatte, seinen Zielhafen, wer die Besatzung war - das alles ist für den Stader Stadtarchäologen noch ein Rätsel. Selbst der Fundort, etwa 450 Meter vom Elbufer entfernt, müsse nicht die Stelle sein, wo es einmal gesunken war. Die Strömung der Elbe habe das Wrack vermutlich weit vertrieben.

Vielleicht könnten solche Fragen gelöst werden, falls das geheimnisvolle Wrack einmal gehoben wird.

Doch wer die Kosten für Bergung und Konservierung tragen sollte, ist derzeit noch völlig unklar, wie es in Stade hieß. Aber auch eine letzte Ruhestätte im Elbschlick wird dem alten Schiff wohl nicht vergönnt sein. Nahe dem Fundort in Stade-Bützfleth ist ein neuer Kohle-Anleger geplant. Dazu sind auch Baggerarbeiten notwendig, die das alte Elbschiff unweigerlich zerstören würden.

12.02.2008 Hanse Sail Magazin 2008 erschienen

Die Hanse Sail ist Rostock ist jedes Jahr eines der Highlights für Segler in Deutschland und weit über die Grenzen hinaus. Kürzlich ist das Hanse Sail Magazin 2008 erschienen. Es macht mit schönen Fotografien und vielen Informationen Lust auf Rostocks großartiges maritimes Fest vom 07. bis 10. August 2008. Auf 122 Seiten bietet das Heft nicht nur Lesestoff für maritim Interessierte. Eine Fülle von Geschichten rund um nagelneue und uralte Schiffe, über interessante Expeditionen und touristische Attraktionen sind hier zusammengetragen.

Vorgestellt wird das Segelschulschiff der Deutschen Marine "Gorch Fock" als der Star der diesjährigen Hanse Sail und auch ihre 75 Jahre alte Namensvetterin, die derzeit in Stralsund restauriert wird. Die Rede ist auch von der "Marco Polo", die als Kreuzfahrtschiff mehrfach in Warnemünde zu Gast war. Kaum jemand weiß, dass das starke hochseetaugliche Schiff vor gut 40 Jahren in Wismar gebaut worden war. Und wer hat schon gehört, dass der originalgetreu nachgebaute schwedische Ostindienfahrer "Götheborg" mit einer Schiffsplanke aus Rostock auf Reisen geht? Auch an einen englischen Draufgänger wird erinnert, der im Frühjahr 1801 in Warnemünde Station machte. Hier feierte Admiral Nelson trotz aussichtsloser Lage seinen grandiosen Sieg über die dänische Flotte. Aber lesen Sie am besten selbst!

Das Hanse Sail Magazin 2008 erhalten Sie für 5 Euro im Zeitschriften- und Buchhandel, bei der Tourist-Information, im Büro Hanse Sail (Warnowufer 65) oder im Internet unter www.hansesail.com.

01.02.2008 Seenotretter: 2090 Einsätze, eine Geburt

Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) hat im vergangenen Jahr mehr als 900 Menschen aus Seenot und gefährlichen Situationen gerettet. Die Besatzungen der an Nord- und Ostsee stationierten Rettungskreuzer fuhren fast 2100 Einsätze, bilanzierte die DGzRS gestern in Bremen. Besonders erfreulich war die Geburt eines kleinen Jungen an Bord. Insgesamt wurden 124 Menschen aus Seenot gerettet und 799 aus drohender Gefahr befreit. Knapp 600 Kranke und Verletzte wurden transportiert, 56 Schiffe geborgen.

29.01.2008 Up Helly Aa, der Karneval der Wikinger

Am letzten Dienstag im Januar wird in Lerwick auf den Shetland-Inseln die »Sau rausgelassen«

Hoch schlagen die Flammen in den dunklen Himmel über Lerwick. In der Hauptstadt der zu Schottland gehörenden Shetland-Inseln brennen Wochen harter Arbeit nieder. Ein fast zehn Meter langes Boot, mit prunkvollem Bug und hohem Mast. »Haltet die Unerschrockenen in Ehren«, tönt es dazu aus knapp tausend Männerkehlen, »die edlen, kühnen Normannen, die Herrscher im stürmischen Meer«. »The Norseman's Home« heißt die Hymne, das Glaubensbekenntnis der Wikinger. Ein Loblied auf die tapferen Kämpfer von einst, deren Nachfahren sich heute Jahr für Jahr Ende Januar um ein brennendes Schiff sammeln. Zum Up Helly Aa, Lerwicks größtem Volksfest, was so viel heißt, wie »nach den heiligen Tagen«. Urspünglich wurde es 24 Tage nach Weihnachten gefeiert.

 

 

Mit Streitaxt und Brustpanzer

Seit 1889 geht das so in Lerwick. Die Wurzeln des Brauches aber reichen noch weiter zurück. In die Ära der Normannen, die mit Fackelläufen und Freudenfeuern die Rückkehr des Lichtes nach dem langen Winter feierten. Das Ende zwölf wilder Nächte, in denen das Volk Wotans wildes Heer unterwegs wähnte.

Über Lerwicks Rathaus weht die Fahne mit dem Raben, Wotans Lieblingsvogel, das Banner der Insel-Narren. Gut Tausend sind es, organisiert in einem halben hundert Clubs. Squads heißen sie hier, Stadtteil- und Stammtischgruppen. Männer allesamt, denn für Frauen ist in Lerwicks närrischen Gesellschaften kein Platz. Jedes Jahr wählen sie einen aus ihren Reihen zum »Guizer Jarl«, zum Repräsentanten eines Festes, das den Shetländern so wichtig ist wie Weihnachten und Ostern zusammen. Am letzten Dienstag im Januar darf er für einen Tag lang die Stadt symbolisch regieren. Mit Streitaxt und Brustpanzer, in einem handgeschmiedeten Wikingerkleid, das vor dem Festtag niemand zu Gesicht bekommen darf.

Hinter Lerwicks Hafen, dem Tor zur Außenwelt, reiht sich ein Wall grauer Häuser, dahinter die Hauptstraße mit dem kleinen Marktplatz. In der einzigen Buchhandlung stehen Wanderführer aus Schottland neben Bildbänden aus Norwegen. Kein Wunder, schließlich ist es nach Trondheim näher als nach Edinburgh. Bis 1469 gehörte Shetland zu Dänemark, heute zu Großbritannien. Im Herzen aber sind hier alle Wikinger geblieben. Auch der Zimmervermieter in der Burgh Road, auf dessen Tisch die Flaggen Norwegens und Dänemarks neben der Ahnentafel stehen.

»Ich dachte«, erzählt Dave aus Glasgow in der Kneipe am Hafen, »mein letztes Stündchen hat geschlagen.« Weit holen seine Arme aus, um zu beschreiben, wie die Fähre fast auf dem Rücken lag, die eine Gruppe Männer und Frauen vom schottischen Aberdeen nach Lerwick schipperte. Schotten und Iren kommen zum Up Helly Aa besonders gern. »Ich habe schon viel darüber gesehen und gelesen, jetzt will ich selbst mal dabei sein«, tröstet sich Dave über den Höllentrip mit der Fähre.

Up Helly Aa markierte einst das Ende der zwölf wilden Nächte, das nach dem alten Julianischen Kalender, dem man auf den Shetlands bis ins 18. Jahrhundert folgte, Ende Januar war. In dieser Zeit ruhte gewöhnlich die Arbeit. Schon im Mittelalter sollen Vermummte zur Mittwinterwende unterwegs gewesen sein. »Das ganze Städtchen war in Aufruhr, den ganzen Tag wurden Hörner geblasen, Trommeln geschlagen, Kanonen abgefeuert, gelärmt, gefiedelt, getrunken und geschlagen«, notierte ein Methodistenmissionar 1824 in seinem Tagebuch.

Um 1840 schleppte man erstmals brennende Teerfässer durch die Stadt, tauchten immer mehr kostümierte Burschen auf, deren Erscheinen gewöhnlich im kollektiven Besäufnis endete – oder in blutigen Auseinandersetzungen rivalisierender Maskengruppen. Mit Sonderstreifen suchten die Behörden dem Treiben Herr zu werden. Ohne Erfolg, so dass der Umgang mit den brennenden Fässern schließlich verboten wurde. Lerwicks Bildungsbürger leiteten die Reform der Feiern ein, legten den Festtermin für alle verbindlich auf den letzten Dienstag im Januar, führten die neue Festbezeichnung Up Helly Aa ein, organisierten geordnete Fackelzüge und beschlossen, sich stärker auf die Tradition der Wikinger zu besinnen. Dies war die Geburtsstunde der Galley, des Drachenbootes, das 1889 erstmals bei einem Umzug mitgeführt und anschließend verbrannt wurde.

15 Jahre sparen für den großen Auftritt

1906 erschien »Guizer Jarl« auf der närrischen Bühne, der Chef der Wikingertruppe. Heute wird er gewöhnlich fünfzehn Jahre im voraus in sein Amt gewählt. Damit er und seine Freunde genügend Zeit haben, auf den großen Tag hin zu sparen. Denn mindestens 1500 Euro kostet das Fest jeden in seiner Squad. Geld für Helme und Kostüme, die Handwerker über Wochen beschäftigen.

Up Helly Aa, heißt es im Verkehrsbüro, »ist keine Touristenattraktion, sondern ein Fest, das wir uns selbst gegeben haben«. Aber natürlich ist man froh, dass der Feiertag inzwischen auch im Winter für volle Betten sorgt, für bis auf den letzten Platz belegte Hotels und Gästebetten. Der Fremdenverkehr nämlich wird für die fast 30 000 Insulaner als Einnahmequelle zunehmend wichtiger, seit Fischfang und Schafzucht immer weniger Menschen ernähren. Und auch das devisenbringende Öl, dem Shetland Straßen und Flugplätze verdankt, wird knapper.

Abends ist großer Fackelzug. Fast tausend Männer sind gekommen, verkleidet als Clowns oder römische Legionäre, als Bären oder Hasen. Jedes Jahr schlüpfen sie in neue Kostüme, um ihr Wikingerschiff in Zweierreihen durch Lerwick zu geleiten. Zu einem kleinen Sportplatz, wo sie ihre brennenden Fackeln in den Holzrumpf werfen. Zurück bleibt schließlich ein großer Haufen Asche, ein paar verkohlte Holzstücke. Für die Squads aber, die närrischen Gesellschaften, ist der Tag noch lange nicht zu Ende. Eine gute Stunde später trifft sich halb Lerwick in den Sälen der Stadt zu Tanz und Spiel. Zu Sketchen und Minidramen, die von den Sorgen der Menschen erzählen. Wie die Büttenredner im rheinischen Karneval ziehen die Schotten dann gegen ihre Politiker zu Felde, machen mobil gegen neue Tunnelprojekte und andere Pläne, die dem Volk nicht passen.

In den Pausen zwischen Liedern und Reden wird getanzt. Tänze, zu denen die Narren die Damen auffordern müssen. Denn Up helly Aa war früher auch Heiratsmarkt. »Wer in dieser Nacht allein bleibt«, heißt es in Lerwick, »ist selbst dran Schuld«.

28.01.2008 Schwimmende Festung

Die "Adler von Lübeck" war im 16. Jahrhundert das größte Schiff der Welt. Ein Architekt will sie am Originalschauplatz nachbauen

Ingenieure planen für gewöhnlich keine Luftschlösser - Bernd Klabundes Traum könnte als wahr werden: Der studierte Bauingenieur hat vor, das größte Schiff der Hanse zu rekonstruieren. Die Abmessungen der "Adler von Lübeck" sind noch heute beeindruckend: Sie war 75 Meter lang und 15 Meter breit. Das deutsche Segelschulschiff "Gorch Fock" ist nur 14 Meter länger, aber mit zwölf Meter Breite schlanker als die Galeone.

Deren historisches Vorbild befuhr im Frühling 1567 erstmals die Ostsee. Der Ehrentitel "Schwimmende Festung" lag angesichts von 120 Kanonen und mehr als 600 Mann Kriegsvolk an Bord nahe - auch wenn der Dreidecker seine Feuerkraft nie beweisen konnte.

Damals dauerte der Bau zwei Jahre - Bernd Klabunde will sich zehn Jahre Zeit nehmen. Der gebürtige Berliner hat eigens dafür den Verein "Deutsche Museumswerft" gegründet. Die Werft selbst soll an der Trave, also am historischen Originalschauplatz, entstehen.

Ist Klabunde ein Fantast? Seit Jahrzehnten widmet sich der studierte Bauingenieur dem Holzbootsbau, er selbst besitzt ein Holzboot, das allerdings 70 Meter kürzer ist als die Hanse-Galeone: eine Segeljolle vom Typ Pirat.

Die Museumswerft plant er seit Jahren. Seit 2004 unterstützt ihn dabei die Wirtschaftsförderung Lübeck. Im Rathaus der Hansestadt hält man sich mit Stellungnahmen allerdings noch zurück - der Wirtschaftssenator Wolfgang Halbedel ließ immerhin verlauten, er traue "dem Verein eine ganze Menge zu".

Das Unternehmen hätte sicher das Zeug dazu, ein Touristenmagnet Lübecks zu werden. Das Gelände sollen Werkstätten beziehen, in denen alte Gewerke streng nach mittelalterlicher Handwerkstradition arbeiten: Das gibt ein Wiedersehen mit ebenso schönen wie ausgestorbenen Berufsbezeichnungen wie Böttcher, Bogner, Holzbildhauer, Korbmacher, Seiler, Segelmacher oder Harnischmacher.

Der Nachbau der "Adler von Lübeck" ist, so gesehen, nur Mittel zum Zweck: Der Verein Museumswerft will verhindern, dass alte Schiffbautechniken in Deutschland verloren gehen. "Längst müssen viele Eigner historischer Schiffe bei Problemen ins Ausland - an der Ostsee sind das bis zu 65 Prozent", sagt Klabunde. Der Holzbootbau gerate in Vergessenheit.

Längst wühlt das Vereinsmitglied Hendrik Busmann, ein Schiffshistoriker, in Archiven, sichtet alte Stiche und inspiziert verstaubte Modelle der "Adler" in Museumsdepots. Mitunter stehen dem Experten die Haare zu Berge; denn viele Maler und Modellbauer hatten vom Schiffbau keinen Schimmer. Wie die "Adler von Lübeck" genau aussah, wird immer ein Geheimnis bleiben - exakte Pläne hat es vermutlich nie gegeben.

Das Schiff, berichtet ein Chronist, "war 120 Ellen lang von der Galion, da beyde Gulden Engel, die den Adler trugen im gulden Schilde, biß hinter ins Galerie der Koyen". Die Galeone entwickelte sich zu Beginn der Neuzeit aus größeren Segelschiffstypen; ihr namensgebendes Kennzeichen war das Galion, eine vorspringende Plattform mit Geländer am Bug (siehe Bild).

Bewaffnet war die "Adler" laut Artilleriebuch mit 52 bronzenen und 46 eisernen Geschützen sowie schnell feuernden Barsen für den Nahkampf; mehr als 120 Geschütze insgesamt, von denen die großen 2000 Meter weit schießen konnten. 1000 Mann fanden an Bord Platz, davon waren 350 Mann Besatzung.

Ins Gefecht kam das Schiff nicht: Geplant hatte es die Hanse als Eskortschiff gegen feindliche Übergriffe im Nordischen Krieg. Kaum war sie in Dienst gestellt, schlossen die Kriegsparteien Frieden. Die schwimmende Festung wurde zum Frachtschiff umgebaut. 1581 ging sie mit Holz beladen auf Fahrt nach Lissabon, schlug aber auf dem Rückweg leck, musste umkehren und wurde bald darauf abgewrackt.

Auch die Hanse war am Ende: Mit der Entdeckung Amerikas verlagerte sich der Schwerpunkt des Welthandels nach Westen, das Bündnis wurde aufgelöst. Lübeck ist noch heute weit davon entfernt, die "Königin der Hanse zu sein" - die Stadt ist faktisch pleite. Klabunde macht sich über potenzielle Unterstützung denn auch keine Illusionen: "Wir erwarten von der Hansestadt keinen Cent", sagt Klabunde. "Wir wollen nur, dass unsere Anträge zügig bearbeitet werden."

25.01.2008 Herr Meyer hübscht die "Rickmers" auf

Die Bugzier des Museumsschiffes „Rickmer Rickmers“ muss jetzt erneuert werden.Wind und Wetter haben ihr inzwischen so sehr zugesetzt, dass die Bugverzierung an Hamburgs Museumsschiff "Rickmer Rickmers" erneuert werden muss. Nach gut 20 Jahren. Eine Aufgabe für den Bildhauer Dieter Meyer, der nicht zum ersten Mal an dem Segler mit dem grünen Rumpf arbeitet. Schon Mitte der 80er-Jahre schnitzte er die Galionsfigur, die noch heute am Bug hängt. Sie hat Wind und Wetter auch gut widerstanden, das dahinter liegende sogenannte Galionsbrett mit dem Wappen und den vergoldeten Ranken aber ist stark erneuerungsbedüftig. Und zwar nur auf der Backbordseite des Schiffes - dort, wo es täglich dem Wechsel von Sonne, Sturm und Regen ausgesetzt ist.

Dieter Meyer nahm das alte Galionsbrett ab, passte ein neues in die Rumpfform ein und schnitzt derzeit in seiner Werkstatt an der Elbchaussee eine neue Bugzier. Rechtzeitig zur kommenden Touristensaison soll sie wieder am Schiff hängen. Wann genau sie montiert wird, kann der Bildhauer aber noch nicht beantworten: "Das hängt schlicht von Wind und Wetter ab."

Meyer kennt sich aus mit der Verarbeitung von Holz und der Gestaltung maritimer Motive. Er ist selbst zur See gefahren, zu einer Zeit, als die Seefahrt noch nicht von Hightech bestimmt wurde. "Dabei arbeitete ich gern mit dem Schiffszimmermann zusammen." Später als Kapitän führte er gern Traditionsschiffe, unter anderem in der Karibik, und besitzt heute selbst einen alten Segler. In der Szene der deutschen Museumshäfen gilt er als anerkannter Experte für alle Arbeiten an hölzernen Schiffen.

Das 97 Meter lange Museumsschiff "Rickmer Rickmers" wurde 1896 als stählerner Segler gebaut, fuhr als Frachtschiff und portugiesisches Segelschulschiff, bis es im Jahr 1983 nach Hamburg kam, um Museumsschiff zu werden.

Treffen der Großsegler

23.01.2003 Lütte Sail in Bremerhaven

Die Seestadt Bremerhaven wird vom 27. bis 31. August Treffpunkt von Großseglerfans. Bislang haben Schiffe aus 19 Nationen ihre Teilnahme am Sommerfestival der Windjammer zugesagt. Zu ihnen gehören das gut 100 Meter lange Segelschulschiff "Amerigo Vespucci" der italienischen Marine, die 90 Meter lange mexikanische Bark "Guautemoc" und die 117 Meter lange Viermastbark "Sedov" der russischen Marine.

Insgesamt haben bislang 27 Großsegler ihre Teilnahme angemeldet. Die weiteste Anreise haben Segelschulschiffe aus Indonesien, Uruguay und dem Sultanat Oman.

Eine Windjammerparade wird es jedoch nicht geben. Grund sind die Umbauarbeiten an der Kaiserschleuse. Damit fehlen die Kapazitäten, um alle Schiffe rechtzeitig für eine Parade auf die Weser zu schleusen. Gelegenheit zum Mitsegeln auf einzelnen Schiffen gibt es jedoch. Informationen zu verfügbaren Gästetörns stehen im Internet: www.bremerhaven-tourism.de.

22.01.2008 Erstes Frachtschiff mit zusätzlichem Windantrieb auf Jungfernfahrt

Bremerhaven (AFP) - Das nach Reederei-Angaben weltweit erste Frachtschiff mit zusätzlichem Windantrieb ist von Bremerhaven aus zu seiner Jungfernfahrt gestartet. Die MS Beluga SkySails transportiert Teile einer Spanplattenfabrik, die im venezolanischen Guanta errichtet werden soll, wie eine Sprecherin der Reederei Beluga Shipping am Dienstag sagte. Die Fahrt des 132 Meter langen Frachters nach Venezuela dauert demnach etwa 15 Tage. Der Windantrieb mit einem Zugdrachensystem soll dabei den Treibstoffverbrauch um zehn bis 15 Prozent senken und so Kosten wie klimaschädliche CO2-Emissionen verringern. Die Größe des Zugdrachens - derzeit 160 Quadratmeter - soll im laufenden Jahr verdoppelt werden, um die Effizienz weiter zu steigern.

15.01.2008 - Gran Canaria

Das 1927 in Cádiz gebaute Segelschulschiff der spanischen Marine, die Juan Sebastián Elcano, hat Kurs auf Gran Canaria genommen. Am 18. Januar wird das Schiff im Hafen von Las Palmas erwartet, wo es drei Tage liegen wird und dann die Atlantiküberquerung nach Puntaarenas (Dominikanische Republik) antritt.


Die Route wird weiter über San Diego (USA), Acapulco (Mexiko), Balboa (Panama), Miami (USA), Baltimore (USA), Brest (Frankreich), Bilbao (Spanien), Marín (Spanien) und zurück nach Cádiz führen.

Auf dieser Ausbildungsreise  absolvieren 43 Kadetten ihre Ausbildung.

15.01.2008 Greenpeace baut ein neues Segelschiff

Vergangenes Jahr feierte die "Rainbow Warrior II" noch ihren 50. Geburtstag. Jetzt soll der umgebaute Nordsee-Trawler nach knapp 20 Jahren im Dienst der Umweltschutzorganisation Greenpeace durch ein neues Segelschiff ersetzt werden. Greenpeace plant dafür einen Schiffsneubau. Projektleiter Ulrich von Eitzen bestätigte am Montag einen entsprechenden Bericht des Radiosenders NDR 90,3. "Wir stehen kurz vor der Ausschreibung", sagte von Eitzen.

Die "Rainbow Warrior II" wurde in Hamburg zum Motorsegler umgebaut. Sie war seitdem unter anderem gegen Treibnetz-Fischerei im Pazifik, bei einer Fischerei-Kampagne vor Chile, bei Forschungsarbeiten an Korallen vor Australien und zur Aufklärungsarbeit über Walfang vor Island im Einsatz. Das 55 Meter lange Schiff mit Heimathafen Amsterdam erlebte seine wohl dramatischsten Momente 1995 im Südpazifik, als es bei der Protestfahrt gegen die wiederaufgenommene Atombomben-Testreihe der französischen Regierung gerammt und unter Einsatz von Gewalt und Tränengas von der französischen Marine geentert wurde. Die Umweltschutzorganisation betreibt zurzeit außerdem noch die Schiffe "Arctic Sunrise", die "Esperanza" und die "Beluga II".

14.01.2008 Gipfeltreffen - Drei "Königinnen der Meere" hatten in New York ein letztes Stelldichein

Die drei bekanntesten Kreuzfahrtschiffe der Welt haben am Sonntagabend (Ortszeit) gemeinsam den Hafen von New York verlassen und damit die Herzen nicht nur von Fans der Marinegeschichte höher schlagen lassen.

 

Die "Queen Mary 2" (l.), die "Queen Victoria" (m.) und die "Queen Elizabeth 2" (r.) beim Auslaufen in New York.

Die "Queen Mary 2" (l.), die "Queen Victoria" (m.) und die "Queen Elizabeth 2" (r.) beim Auslaufen in New York.

Die "Queen Mary 2", die "Queen Victoria" und die "Queen Elizabeth 2" (Foto, v. l.) glitten in der Dunkelheit an der Freiheitsstatue vorbei, von einem Feuerwerk hell erleuchtet. Nach Angaben der Reederei Cunard, die alle drei Schiffe betreibt, war es das erste Mal, dass alle "Königinnen der Meere" gemeinsam zu sehen waren. Das Spektakel sei auch deshalb so einzigartig, weil es sich nie wieder ereignen werde, fügte Cunard-Chefin Carol Marlow hinzu.

Für die im Dezember 2007 vom Stapel gelaufene "Queen Victoria" ist es die Jungfernfahrt. Ebenso wie die im Jahr 2004 getaufte "Queen Mary 2" befindet sie sich auf dem Weg in die Karibik. Die "Queen Elizabeth 2", die immerhin schon seit 1967 über die Weltmeere kreuzt, ist es die letzte Weltreise. Im November wird der Luxuskreuzer für immer in Dubai andocken und zu einem schwimmenden Hotel im Persischen Golf werden.

14.01.2008 Von Gütersloh aus auf große Fahrt

 Nicht nur eine Gütersloher Gaststätte trägt den Nachnamen seiner Familie – auch ein Seenotkreuzer wurde nach Adolph Bermpohl benannt. Am 17. Januar wäre der gebürtige Gütersloher 175 Jahre alt geworden.

Nachforschungen im vergangenen Jahr ergaben, dass bisher einige Details im Leben von Adolph Bermpohl falsch weitergegeben worden sind. Anneliese Stüker und Manfred Brinker vom Heimatverein und Stadtarchivar Stephan Grimm stießen bei Vorbereitungen für eine Ausstellung im Stadtmuseum auf Ungereimtheiten. So fanden sie heraus, dass Bermpohl das Gymnasium in Herford besuchte und nicht wie bisher angenommen, das Evangelisch Stiftische Gymnasium. Das wurde nämlich erst im Jahr 1851 gegründet – da war Bermpohl schon längst als Matrose in Bremerhaven.

Die zweite Unstimmigkeit ist das Haus Nummer 14 am Alten Kirchplatz. Eine Gedenktafel am Haus weist diesen Ort als Bermpohls Geburtshaus aus. Die Gütersloher Heimatforscher fanden allerdings heraus, dass Adolph Bermpohls Vater dieses Haus erst 1845 kaufte. Geboren wurde er in einem Haus an der Kirchstraße, das im Jahr 1912 abgerissen wurde.

Seefahrt, Rettung Schiffbrüchiger – das alles bringt man mit dem 1833 geborenen Adolph Bermpohl in Verbindung. Doch wäre es nach seinen Eltern gegangen, wäre es nie soweit gekommen. Die Eltern von Friedrich August Adolph – so sein voller Vorname – wollten eigentlich, dass ihr Sohn Pfarrer wird. Doch mit 15 Jahren machte er sich auf zur See, wurde Kajütenwächter auf einem Schoner. 1849 erlebte er seine erste Havarie, als sein Schiff mit einer Brigg zusammenstieß. Bermpohl überstand den Unfall unverletzt.

Später fuhr er als Steuermann und Obersteuermann zur See, 1859 wurde er Navigationslehrer. In dieser Zeit begann auch sein Engagement für Schiffbrüchige. Er setzte sich für die Errichtung von Rettungsstationen an der Nordsee ein. Dies war zu dieser Zeit nicht selbstverständlich. Denn es galt das Strandrecht: Alle an Land getriebenen Gegenstände – also auch der Besitz der Schiffbrüchigen – gehörten demnach den Anwohnern des Strandes. So hatten diese meist kein Interesse an der Rettung von Schiffbrüchigen.

Doch Bermpohl, geprägt durch seine christliche Erziehung und seine eigenen Erfahrungen auf See, kämpfte gegen dieses Strandrecht. Im Jahr 1863 gründete er den Bremischen Verein zur Rettung Schiffbrüchiger – den Vorläufer der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). Adolph Bermpohl starb am 7. Juli 1887 in Lesum bei Bremen.

1965, zum 100. Geburtstag der DGzRS wurde ein Seenotkreuzer auf den Namen „SK Adolph Bermpohl“ getauft. Die Stadt Gütersloh übernahm die Patenschaft für das Schiff, das bis 1989 im Dienst der DGzRS fuhr. Auch der Gütersloher Marineverein erwies dem berühmten Sohn der Stadt die Ehre und benannte sich um in „Marinekameradschaft Adolph Bermpohl“. Die Marinekameradschaft feiert Adolph Bermpohls 175. Geburtstag am Donnerstag, 14. März beim Benefizessen im Gütersloher Kreishaus.

14.01.2008 Britischer Segler ruft nach Unfall im Atlantik seine Kneipe an

London (AFP) - Ein britischer Segler hat nach einer Verletzung beim Einhandsegeln im Atlantik seine Kneipe zu Hause in England angerufen, um Hilfe zu holen. Alan Thompson war auf seinem Segelboot "Padolu" am Samstag knapp tausend Kilometer vor Bermuda gestürzt und hatte sich offenbar schwer an der Hüfte verletzt, wie die Tageszeitung "Guardian" am Montag berichtete. Statt einen Notruf über Funk abzusetzen, nahm der 61-Jährige sein Satellitentelefon und rief den Wirt seiner Stammkneipe "The Bull's Head" in Fishbourne bei Southhampton an. "Er rief uns an und sagte, er habe Schwierigkeiten. Er war an Deck gestürzt", berichtete der 62-jährige Wirt Roger Pocock.

11.01.2008 „Brückenbauer“ mit Englischkenntnissen

Janis Thalau arbeitet in seinem „Sozialen Jahr“ für die Seemannsmission  

Ihre Namen tauchen beim Einwohnermeldeamt nicht auf. Auch in den Statistiken der Kurverwaltung werden sie nicht geführt, obwohl viele Stammgäste sind. Gemeint sind die Seeleute der größeren Schiffe, die regelmäßig Cuxhaven anlaufen.

In Kontakt mit der Bevölkerung kommen die Besatzungen so gut wie nie. Zu kurz sind die Liegezeiten, vielleicht zu unterschiedlich die Interessenlagen. Nur wenige Cuxhavener haben beruflich auf den Seeschiffen zu tun, schauen dann vielleicht beim Kapitän oder beim Chief herein, um die behördlichen Formalitäten zu erledigen. Das Privatleben der oft aus vielen Nationalitäten zusammengewürfelten Wanderarbeiter zur See bleibt dabei außen vor.

Ein Blick, vielleicht die Frage nach einer heimischen Zeitung, ein paar unverbindliche Sätze in englischer Sprache – Janis Thalau fällt es leicht eine Brücke zu bauen zu den Seeleuten von den Philippinen, aus der Ukraine, aus Russland, Rumänien oder aus Ghana. Unbefangen und ohne Vorurteile geht der 19-Jährige auf die Fremden zu, die zum Beispiel mit den DFDS-Schiffen regelmäßig CuxPort anlaufen. Seine Zeit und Aufmerksamkeit bietet er bei den besuchen an Bord an. Vielleicht auch praktische Hilfe, wenn Telefonkarten oder Informationen zu Einkaufsmöglichkeiten gebraucht werden.

Der junge Mann aus Vegesack verbringt sein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) als Mitarbeiter der Seemannsmission. Die zwölf Monate werden ihm anerkannt als Ersatz für den Zivildienst.

„Nach der Schule wollte ich einmal etwas ganz anderes machen“, bemerkt der Gast-Cuxhavener mit dem Berufswunsch Maschinenbau-Ingenieur. Dass er bei der Seemannsmission gelandet ist, war eher Zufall. „Ich wusste gar nicht, dass die evangelische Kirche einen solchen Dienst unterhält und hatte auch keine rechte Ahnung von der Seefahrt“, gesteht der Nordbremer.

Viel wichtiger sind jetzt seine guten Englischkenntnisse, die er sich während eines Auslandsschuljahres in den USA angeeignet hat. Zunächst hatte er sich ein wenig geärgert, dass sein bester Freund Jonas zwar ebenfalls für die Seemannsmission arbeitet, aber eine viel interessantere Anschrift hat: Deutscher Seemannsclub in Santos, Brasilien. Inzwischen hat sich Thalau mit seiner neuen Adresse „Seemannsheim Grüner Weg 25“ aber auch bestens angefreundet.

Gründe dafür sind die familiäre Atmosphäre und die Vielfältigkeit des Jobs. Wenn er morgens mit Seemannsdiakon Martin Struwe in den Hafen fährt, bleibt für den jungen Thalau keine Gangway gesperrt, überall sind sie herzlich willkommen. „Die Seemannsmission kennen die Seeleute aller Nationen. Sie wissen, dass sie bei uns Hilfe und Aufgeschlossenheit erwarten können, ohne dass es etwas kostet“, strahlt Thalau. „Wo gibt es das denn sonst?“

10.01.2008 Schifffahrt Die Nautiker klagen über fehlenden Nachwuchs

Engpass bei den Lotsen

Der Mangel ist hausgemacht. Die Ausbildung wurde vernachlässigt, die Seefahrtschule Hamburg sogar geschlossen.

Wolfgang Leue ist seit Monaten im Dauereinsatz. Der Ältermann der Lotsenbrüderschaft Elbe und seine 241 Kollegen müssen immer mehr Schiffe bis vor die Tore Hamburgs begleiten. "Wir könnten sofort weitere 100 Lotsen einstellen", sagt Leue und schüttelt den Kopf. "Diese Leute gibt es leider nicht." Kaum ein Kapitän wolle noch Lotse werden.

Der Nachwuchsmangel macht sich nicht nur auf der Elbe bemerkbar. "Wir haben in Deutschland in insgesamt neun Brüderschaften 850 Lotsen und könnten problemlos mehr als 200 weitere beschäftigen", erklärt der Präsident des Bundesverbandes der See- und Hafenlotsen (BSHL), Gerald Immens. Besonders groß sei die Lücke auf dem Nord-Ostsee-Kanal. "Die Lage spitzt sich aber auch in anderen Revieren zu."

Der Mangel an Lotsen und anderen Fachkräften im maritimen Sektor ist teils hausgemacht. "Die Ausbildung des nautischen Nachwuchses ist vernachlässigt worden", klagt Immens. In den 90er-Jahren, als in der internationalen Schifffahrt Flaute herrschte, habe man an den Seefahrtschulen gespart, die in Hamburg letztlich sogar geschlossen. "Das war Irrsinn."

Klar ist, dass Nautiker seit einigen Jahren gefragter sind denn je. Zum einen fahren dank Subventionen wieder mehr Schiffe unter deutscher Flagge. Zum anderen wächst der Bedarf an qualifizierten Seeleuten, weil aufgrund des Handelsbooms immer mehr Schiffe auf den Weltmeeren unterwegs sind. "Das spüren wir auch auf der Elbe", erzählt Ältermann Leue. Vor sieben Jahren absolvierte er mit seinen Kollegen 41 500 Bordlotsungen, also Einsätze auf Schiffen. Im vergangenen Jahr musste die inzwischen etwas kleinere Brüderschaft 56 000 Lotsungen vornehmen. Auf dem Nord-Ostsee-Kanal ist es nicht anders. Seit dem Flautenjahr 1999, als nur 35 000 Schiffe die Bundeswasserstraße nutzten, nahm der Verkehr stetig zu. 2006 wurden mehr als 43 000 Schiffe gezählt, im vergangenen Jahr dürften es noch mehr gewesen sein. Zeitgleich sank die Zahl der Lotsen in Kiel und vor allem Brunsbüttel. Die dortige Brüderschaft hat nur noch 131 Mitglieder. Arbeit gebe es, so Vize-Ältermann Axel Rantzow, für 50 weitere Lotsen.

Bei allen Klagen wird in den Brüderschaften eingeräumt, dass Stress und Überstunden sich auszahlen. Die Kapitäne sind Freiberufler, verdienen an jedem Einsatz. Ein Elb-Lotse komme brutto auf 130 000 bis 140 000 Euro im Jahr, erzählt Leue. Netto sei es deutlich weniger, weil ein Lotse neben seiner Brüderschaft alle Sozialabgaben selbst tragen muss. Unter dem Strich bleibe einem Lotsen kaum mehr als einem Kapitän in der Seeschifffahrt, meint BSHL-Präsident Immens.

Und auch der einstige Reiz des Lotsenberufs, die Nähe zur Familie, sei verblasst. Denn bei Reedereien haben Kapitäne nach ihren Fahrten auf See einige Wochen frei und damit manchmal mehr Zeit für die Familie als ein Lotse, der ein Schiff nach dem nächsten entert. Zwischen zwei Einsätzen auf der Elbe, die jeweils 14 bis 17 Stunden dauern, bleibe oft nur eine Ruhepause von sieben bis zehn Stunden, erzählt Leue. "Das geht manchmal sieben Tage in der Woche so."

Der Engpass bei den Lotsen hat inzwischen die Politik alarmiert. "Wir sind dabei, die Lücke möglichst schnell zu schließen", sagte Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Dietrich Austermann (CDU) dem Abendblatt. Das Land baue die nautische Ausbildung aus, habe an der Fachhochschule Flensburg einen neuen Studiengang "Seeverkehr/Nautik und Logistik" eingerichtet.

Reagiert haben auch andere Küstenländer und der Bund. In Berlin wird ein neues Seelotsgesetz beraten, um den bisher zehnjährigen Studien- und Berufsweg bis zum ersten Lotseinsatz zu verkürzen: Kapitäne sollen die nötige Fahrzeit auf den Weltmeeren (zwei Jahre) im späteren Lotsrevier ableisten können. "Wenn das möglich ist, werden wir das in Brunsbüttel machen", erklärt Vize-Ältermann Rantzow.

Die Elblotsen überzeugt die Neuregelung nicht. "Es ist ein Notbehelf, die Eingangsqualifikation zu senken", meint Leue. Die Brüderschaft setze auf erfahrene Seeleute und dabei erstmals auch auf eine Frau. Im Frühjahr heuert eine Nautikerin aus Oldenburg zusammen mit neun Männern in der Brüderschaft an. Um die Zukunft ist Leue ohnehin nicht bange. Die starke Belastung der Lotsen werde noch einige Jahre andauern, noch aber habe auf der Elbe kein Schiff länger warten müssen.

  • www.elbe-pilot.de oder www.kielpilot.de

  • Nicht nur Lotsen sind Mangelware

    Auch für Betriebe und Forschungsstätten wird es in Schleswig-Holstein immer schwerer, ausreichend Fachkräfte zu bekommen. Medizintechnik-Ingenieure fehlen ebenso wie technische Assistenten in der Biopharma-Industrie, Facharbeiter in Laboren oder Informatiker. Das ergab eine Analyse, die Wirtschaftsminister Dietrich Austermann (CDU) erstellen ließ. Es gebe noch keinen generellen Fachkräftemangel, aber der Bundestrend werde bald auch den Norden erfassen, sagte er. "Von 2010 an wird die Zahl der Menschen im arbeitsfähigen Alter sinken, während der Bedarf an Fachkräften steigt." Besonders in der maritimen Wirtschaft, im IT-Bereich, aber auch im Handwerk.

    09.01.2008 Deutliche Zunahme der Piraterie in den Weltmeeren

    Kuala Lumpur (AFP) - Überfälle durch Piraten haben im vergangenen Jahr auf den Weltmeeren deulich zugenommen. Die Anzahl der Übergriffe sei 2007 um zehn Prozent gestiegen, teilte das International Maritime Bureau (IMB) im malaysischen Kuala Lumpur am Mittwoch mit. Grund für den ersten Anstieg der Piraten-Überfälle seit vier Jahren ist demnach die zunehmend schlechte Sicherheitslage in Nigeria und Somalia. Das IMB zählte im vergangenen Jahr 263 Überfälle, 24 mehr als 2006. Die Angriffe werden demnach immer gewälttätiger: 2007 seien von den Freibeutern 35 Prozent mehr Schusswaffen als im Vorjahr eingesetzt worden.

    09.01.2001 Ein Haus für die Hanse

    Ehrgeizige Pläne: Am Burgkloster soll ein Themenmuseum für 24 Millionen Euro entstehen.

    Lübeck soll ein Europäisches Hansemuseum bekommen. Auf dem Gelände des Burgklosters im Norden der Altstadtinsel ist ein Museumskomplex geplant, der archäologische Grabungsergebnisse und wissenschaftliche Erkenntnisse zur Entwicklung der Hanse ebenso einbezieht, wie die Parallelen des mittelalterlichen Städtebundes zur Europäischen Union der Neuzeit. "Lübeck als ehemaliges Haupt der Hanse ist prädestiniert für ein solches Museum", sagte Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) gestern bei der Vorstellung der Pläne, die von der Lübecker Possehl-Stiftung in Auftrag gegeben worden waren. Die Finanzierung des mit 24 Millionen Euro veranschlagten Projektes ist nach Saxes Worten allerdings noch nicht geklärt.Das Stadtoberhaupt will das Projekt in den nächsten Monaten in Brüssel, Berlin und Kiel vorstellen, um Fördergelder einzuwerben. Der Hanse hätten zu ihrer Blütezeit 225 europäische Städte angehört. "Von denen sind heute immerhin 170 Städte mit zusammen 20 Millionen Einwohnern Mitglied im Hansebund der Neuzeit. Das beweist die gesamteuropäische Dimension, die ein solches Museum hätte", betonte er. Die Planer rechnen mit 120 000 Besucher pro Jahr. Saxe sprach gestern von einem "Hansetourismus", den ein solches Museum auslösen würde. In dem von dem Hamburger Museumsdesigner Andreas Heller geplanten Komplex solle es begehbare Inszenierungen mittelalterlichen Lebens geben, in denen die Besucher mithilfe elektronischer Chipkarten in die Rolle von Bettler, Mönchen oder Kaufleuten schlüpfen können. Das Eingangsgebäude soll an der Untertrave in den Stadthügel hineingebaut werden, sodass Besucher durch die von Archäologen freigelegten Schichten mit ihren Besiedelungsspuren hindurchgehen können.

    Unter Führung der Kulturstiftung Hansestadt Lübeck wurde die Planungsphase von einer Arbeitsgruppe mit Museumsdirektoren und Experten begleitet. Die Possehl-Stiftung hat bereits ihre Bereitschaft signalisiert, sich an den Kosten zu beteiligen. Die Hansestadt Lübeck rechnet mit einer Bauzeit von drei Jahren. Ein Zeitpunkt für die Eröffnung lasse sich aber wegen der ungeklärten Finanzierung noch nicht nennen. Mit dem Europäischen Hansemuseum würde ein bislang einzigartiges Themenmuseum entstehen.

    08.03.2008 Hochkarätige Kulturveranstaltungen in Hamburg 2008

    Ganz im Zeichen der Kreuzfahrten steht der 30. Juli im Hamburger Hafen. Bei den "Cruise Days", die bis zum 3. August dauern, werden mindestens fünf Ozeanriesen erwartet. Den Auftakt macht die "Queen Mary 2", das weltweit längste Kreuzfahrtschiff. In ihrem Schlepptau folgen wenig später die "Astor", die "Aida Aura", die "Columbus" und die "Deutschland" . Auch das größte Segelschulschiff der Welt, die "Sedov", macht am Kreuzfahrtterminal in der Hafencity fest.

    05.01.2008 Die „Aurora“ steht auf der Kippe

    NAUTIK Ausbildungsschiff der Seefahrtschule Leer muss womöglich verkauft werden

    Der Förderkreis kann die Kosten nicht mehr allein tragen und sieht die Fachhochschule in der Pflicht. Die winkt ab.

    Leer - Das Ausbildungsschiff der Seefahrtschule Leer, die „Aurora“, steht auf der Kippe. Der Förderkreis Seefahrtschule Leer, dem die „Aurora“ gehört, kann die Unterhaltskosten nicht mehr allein schultern, wie der erste Vorsitzende, Kapitän Peter Grunau, im Gespräch mit der OZ erklärte. Auf der Jahreshauptversammlung im Mai müsse der Förderkreis womöglich beschließen, die „Aurora“ zu verkaufen : „obwohl es uns in der Seele weh täte“. Seit mehr als einem Jahr ist das Schiff nicht mehr für Ausbildungsfahrten zum Einsatz gekommen und liegt die meiste Zeit ungenutzt im Leeraner Hafen. Das sei kein Zustand, sagte Grunau.

    Bereits im November 2006 hatte der Förderkreis Alarm in Sachen „Aurora“ geschlagen. Seitdem sei es zwar gelungen, neue Mitglieder und Sponsoren zu gewinnen, doch das reiche noch nicht, sagte Grunau, der die Kosten für Betrieb, Versicherungen und Reparaturen auf rund 25 000 Euro im Jahr bezifferte.

    Nur wenn sich die Fachhochschule Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven, zu deren Fachbereich Wirtschaft das Institut Seefahrt in Leer gehört, zu etwa 60 Prozent an diesen Kosten beteilige, sei die „Aurora“ zu halten.

    Der Förderkreis fühlt sich im Stich gelassen. Der Hochschulleitung sei offenbar nicht bewusst, „was wir da für ein Juwel haben“ und welch riesigen Ansehensverlust ein Verkauf des Ausbildungsschiffs mit sich brächte, meint Grunau.

    Prof. Dr. Katharina Belling-Seib, Dekanin des Fachbereichs Wirtschaft, erklärte im Gespräch mit der OZ, die Fachhochschule könne es sich nicht leisten, ein Schiff zu unterhalten, da dies materiell und personell sehr aufwendig sei: „Da sind wir auf Förderer angewiesen.“ Mit dem Förderkreis sei vertraglich vereinbart, dass die Hochschule während der Ausbildungsfahrten Betriebskosten etwa für Treibstoff trage; darüber hinaus gebe es jedoch keinen Spielraum.

    Die „Aurora“ ist nach Einschätzung Belling-Seibs zwar „ein Schmankerl“, aber nicht entscheidend für die Qualität der Ausbildung, die ohnehin sehr praxisnah sei. Die Studenten verbrächten mehr als ein Jahr ihres Studiums an Bord. Zudem werde in Simulatoren geübt, so Belling-Seib. Daher sei eine Fahrt mit der „Aurora“ nicht ausschlaggebend.

    Das sieht Kapitän Grunau anders: Ein Praktikant auf einem normalen Schiff dürfe nur dem Kapitän zuschauen. Auf der „Aurora“ dagegen müssten die Studenten von A bis Z alles selber machen. "

    02.01.2008 Vor 80 Jahren mit einem Kutter um die Welt gesegelt

    Kapitän Carl Kircheiss aus Harburg: Held der Seefahrt

    Jan-Hendrik Frank
    Harburg. Gestern vor 80 Jahren ist der Harburger Kapitän Carl Kircheiss nach einer Weltumsegelung in den Harburger Binnenhafen eingelaufen. Er gilt als der erste Deutsche, der die Welt in einem Fischkutter umrundet hat. Mit dem Eineinhalb-Master "Hamburg" und fünf Mann Besatzung steuerte er während der fast zweijährigen Reise etwa 20 Länder auf fünf Kontinenten an. In zahlreichen Vorträgen warb er um Sympathien für das gerade erst besiegte Deutschland. Der Kanalplatz, an dem er nach seiner Rückkehr festmachte, trug bis 1948 den Namen "Kapitän-Kircheiss-Platz".
    Kircheiss galt als großer Fahrensmann mit einem ungebändigten Freiheitsdrang. In einem Nachruf wurde er 1953 als einer "der letzten Romantiker der christlichen Seefahrt" und als einer "der wenigen Bohemiens der Weltmeere" beschrieben.
    Zu seiner Weltreise brach Kircheiss am 5. Januar 1926 im Alter von 38 Jahren von Cuxhaven aus auf. Seine Route führte ihn durch die Nordsee und den Englischen Kanal auf den Atlantik. Der Appelbüttler Adolf Matthies, der seit 1940 Mitglied in der Vereinigung Harburger Segler ist und den Kapitän dort kennenlernte, berichtet: "Er war der erste, der bewusst im Winter zur Weltumsegelung aufbrach, um die sportliche Herausforderung zu suchen." Das Wetter sei oft so schlecht gewesen, dass der Steuermann regelmäßig am Steuerrad festgebunden worden sei, um nicht von Bord gespült zu werden, erzählt der 85-Jährige. Durch das Mittelmeer und den Suez-Kanal segelte Kircheiss ins Rote Meer und den Indischen Ozean. Er legte in Indien, Japan und China an, setzte nach San Francisco über und steuerte durch den Panamakanal New York an. Über den Atlantik kehrte er zurück nach Cuxhaven, wo er am 24. Dezember 1927 ankam.
    Matthies: "Es herrschte schweres Treibeis. Bewusst steuerte Kircheis daher das Feuerschiff Elbe I an." Gegen 2.15 Uhr hatte die Besatzung der "Hamburg" zum ersten Mal Kontakt mit der "Elbe I". Zuerst gab es Kommunikationsschwierigkeiten. Denn von dem Wort "Weltumsegler", das Kircheiss mit einer Morselampe signalisierte, entzifferte die Besatzung des Feuerschiffs nur "Weltums". Als im Lichtschein der "Elbe I" dann das 22 Meter lange Segelschiff auftauchte, fiel der Groschen: Das musste das Schiff des Weltumseglers Kircheiss sein.
    Am ersten Weihnachtsfeiertag empfing seine Familie ihn in Cuxhaven. Am 29. Dezember zog der Schlepper "Aldana" die "Hamburg" durch das Packeis nach St. Pauli. Die "Hamburg" hatte sämtliche Flaggen der besuchten Länder gehisst. Bereits in Wedel standen zahlreiche Zuschauer am Ufer und jubelten ihren Helden zu. Nach großem Empfang an den Landungsbrücken überreichte Kircheiss im Hamburger Rathaus die Hamburg-Flagge, die zwei Jahre lang an seinem Mast geflattert hatte. Einen Tag später schipperte er durch den Köhlbrand nach Harburg und machte den Kutter im Binnenhafen fest. Mit einem Fackelzug wurden die Heimkehrer bis zum Schützenhof geleitet, an dessen Stelle heute das Gildehaus steht.
    Kircheiss wurde für seine große Leistung zum Ehrenbürger der Stadt Harburg und der Hansestadt Hamburg ernannt.
    1948 benannten die britischen Besatzer den "Kapitän-Kircheiss-Platz" wieder in "Kanalplatz" um. Bei einem Verkehrsunfall auf der Elbchausee starb Kircheiss in der Nacht zu Sonntag, 6. Dezember 1953. Der 66-Jährige hinterließ Ehefrau Ilona-Ellen, Sohn Peter und Tochter Eike. "Die See hat ihn geliebt, das Land hat ihn genommen", hieß es damals über den großen Harburger. Alle Versuche, den Kanalplatz wieder nach ihm zu benennen, scheiterten.