Woher wissen Ratten, dass ein Schiff sinken wird?

Kommen auf einem Schiff die Ratten an Deck, sollte man besser schnell zu den Rettungsboten gehen.

Zu Zeiten, da hölzerne Segelschiffe noch die Weltmeere beherrschten, gehörten Ratten quasi zum Inventar. Allerdings ist kein Fall bekannt, wo die Nagetiere hordenweise ins Meer sprangen, kurz bevor ein Schiff auf ein Riff lief oder in einen Sturm geriet. Mit übersinnlicher Vorahnung haben sie also nichts zu tun. Vielmehr kommen die Tiere an Deck, sobald es ihnen in ihren Behausungen – in den tief gelegenen Hohlräumen der Schiffe – zu nass wird.

Der renommierte Münchener Verhaltensforscher Irenäus Eibl-Eibesfeld beschreibt das Phänomen so: »Die Ratten nisteten ganz unten in den Stauräumen, wo es schön warm und feucht war und nur selten mal ein Seemann hineinschaute. Wenn Wasser in den Rumpf trat, selbst wenn es anfangs nur wenig war, merkten die Nager es als erste, weil ihre Nester davonschwammen.

Dann flüchteten sie natürlich nach oben, um sich einen besseren Platz zu suchen oder nach Möglichkeit sogar das Schiff zu verlassen.« Ratten galten daher mit der Zeit als eine Art Frühwarnsystem bei Lecks im Rumpf. Sie waren immer die ersten, die sich davonmachten.