"Sedov"

Wieder einmal.

Von Amsterdam nach Santa Cruz

Ein Reisebericht von Adolf Brandstätter aus Linz / Österreich

(mit kulinarischem Einschlag)

 

 

Dezember 2004. Wir bekommen den neuen Fahrplan der Sedov für das Jahr 2005. He. Da ist eine Reise von Amsterdam nach Santander ausgeschrieben. Wir überlegen -Alfred feiert gerade einen runden Geburtstag und bekommt von einigen Freunden einen Gutschein für eine Reise auf der Sedov. Bei früheren Besuchen und Treffen haben wir, aber vor allem Gerlinde, ihm immer wieder von unserer Reise nach Malta auf der Sedov vorgeschwärmt. Er ist Feuer und Flamme und will dieses Schiff auch kennen lernen. Im Februar wird die Reise zu diesem Termin dann mit dem Ziel Kanaren angegeben. Alfred möchte, so wie wir, diese Reise mitmachen.

 

Ich knüpfe die ersten Kontakte per Mail mit Adventure Sailing, sprich Heino von Tettenborn. Buchen für uns drei ist der nächste Schritt- und Flüge suchen. Nichts passt! Dann doch die Lösung. Wien / Linz – Amsterdam mit der Bahn. Teneriffa – München per Flugzeug und dann mit dem Auto zurück nach Linz. So sollte es passen. Und so hat es dann auch funktioniert.  Die Zeit vergeht wie im Fluge und plötzlich war es mitte August. Die Reise beginnt.

 

19.08.2005

Erst nachmittags packen wir die Taschen und meinen großen Seesack. Um 21 Uhr 50 fahren wir, im Liegewagen, ab Linz Hbf. Richtung Abenteuer (Amsterdam). Alfred sitzt schon im reservierten Abteil und erwartet uns. Große übermütige Begrüßung. Ausgelassenen Unterhaltung bis etwa Mitternacht und dann, sozusagen das erste Mal, in die Koje. Allerdings noch im Liegewagen.

 

20.08.2005

Wir werden von der Zugbegleiterin um 05Uhr15 mit einem kleinen Frühstück geweckt. So fängt der Tag gut an. In Hannover umsteigen in einen IC um 06:40 nach Amsterdam. Das Land wird flach, mit relativ viel Wald an der Bahntrasse. Vor Amsterdam ist dann das Land mit viel Wasserflächen durchzogen. Während der Fahrt durch die Vorstädte von Amsterdam hängen unsere Augen schon an den Fenstern. Wer sieht die ersten Masten und Rahen? Und ganz plötzlich sind sie da!

 

Zwischen verschiedenen Häusern sehen wir die ersten Schiffe, Wasser und viele, viele Menschen. Wau, da ist was los! Auf den letzten Metern bis zum Bahnhof sehen wir die Menschenmassen die sich auf den Hafenbereich der Sail 05 zu bewegen. Ankunft um 10 Uhr 40, Gepäck schleppen und Sedov suchen. Die ersten Blicke in den Hafen. Schiffe, Masten, Rahen und Menschen, Menschen, Menschen. So etwas haben wir noch nicht gesehen. Ein Menschenwurm der sich zur „Sail“ bewegt. A Wahnsinn! Aber ein herrlicher. Unser Gepäck hängt sich schwer an. Die Kruzenshtern, die Amerigo Vespucci, ein italienisches Marineschiff, die russische Mir und im Paket dahinter die nun schwarze Sedov. Eine lange Menschenschlange die sich anstellt um die Mir und die Sedov zu besichtigen. Wir gehen nach vor und weisen unsere Traineekarte vor. Dadurch  können wir sofort über die Mir an Bord der Sedov gehen.

 

Heiko, der Traineebetreuer auf der Sedov ist dann zur Stelle, um uns in unsere Kabine zu führen. Wir kommen, wie gewünscht, in die Kajüte Fredrikstadt und sogar tatsächlich in die gleiche Koje wie vor drei Jahren. Jetzt sind wir da. Spind einräumen, ein wenig frisch machen und einen ersten Schiffsrundgang durch die vielen Sailbesucher. Wir treffen Aki und ihren Vater. Die beiden haben wir bei unserer ersten Sedovreise kennen gelernt. Die Wiedersehensfreude war groß. Leider hatten wir zu wenig Zeit um ausgiebig zu plaudern. Aber wir werden uns irgendwann auf der Sedov wieder sehen.

 

Wir haben Hunger und gehen mit der Menschenmasse zur nächstgelegenen „Labstation“.  Vorerst wechseln wir einmal 10.- Euro gegen 5 Muten um zu sehen wie das funktioniert und wie viel wir dafür bekommen. Kein gutes Geschäft, aber nur diese Kunstwährung zählt hier auf der Sail 05. Aber der erste Hunger wird gestillt und wir gehen zurück zur Sedov. Dort stehen wir dann stundenlang an der Reling und sehen uns die vorbeifahrenden Boote und Schiffe des Bootscorsos an. Das muss man gesehen haben!

 

Vom Plastikboot mit 5 PS Außenborder über die Ausflugs- und Musikdampfer bis zu den 3-Mastern und weiß Gott was noch allem. Dazwischen ganz herrlich renovierte Plattboote und alte Dampfschiffe mit Dampforgel.  Auf einigen Schiffen waren Rockgruppen, Bläsergruppen oder Trommlergruppen mit klingendem Spiel unterwegs. Und dazwischen immer wieder die Dampfschiffe mit ihren Dampforgeln oder Dampfpfeifen. Herrlich! Und sogar Königin Beatrix ist auf einem Schiff im Bootscorso unterwegs.

 

Um 17:00 Uhr geht’s dann das erste mal in die Messe zu Suppe, Rindfleisch und Nudeln. Anschließend sehen wir uns die Schiffe im hinteren Teil des Hafenbeckens an und kaufen in einem Supermarkt noch ein Sixpack, das uns gut gekühlt lockt. Zurück auf der Sedov gibt es einen Empfang und wir werden mit Getränken und kleinen Häppchen verwöhnt. Nach dem großartigen Feuerwerk folge ich Gerlinde und Alfred, die schon in der Koje liegen.

 

21.08.2005

Das „Dobre Utra“ und „Good Morning“ kam wie immer, in den nächsten zwei Wochen, pünktlich um 07:00 Uhr aus dem altersschwachen Lautsprecher. Frühstück um 07Uhr30 mit Tee, Brot und Butter. Anschließend gehen wir um den gesamten Hafen um die teilnehmenden Wasserfahrzeuge der Sail zu sehen. Vom modernen Marineschiff über ein U-Boot, Plattbooten aller Größen- und Altersklassen bis zu den bekanntesten Grosseglern der Welt ist alles vertreten. Dies alles zu beschreiben würde fast einen eigenen Reisebericht erfordern. Auf dem Rückweg bunkern wir noch einmal ein paar Bierchen und einige Flaschen Mineralwasser und kommen genau zum Mittagessen an Bord. Am Nachmittag gehen wir ein wenig in die Stadt. Leider streikt gerade die Müllabfuhr. Aber Amsterdam ist ganz sicher auch ohne Sail eine Reise wert. Eine „Grachtenkreuzung“ ist dabei für mich ein Riesenerlebnis. Bei dem starken Verkehr an diesem Sailwochenende geht es dort drunter und drüber. Da könnte ich stundenlange zusehen. Und nach einem Besuch in einem Coffeeshop geht es durch die Menschenmassen zurück zur Sedov. Nach dem Abendessen gibt es wieder einen Empfang mit Catering. Dabei entwickeln sich ganz interessante Gespräche mit Gästen dieser Veranstaltung. Als Abschluss der Sail gibt es ein großes Feuerwerk und als Dankeschön der teilnehmenden Schiffe ein gemeinsames Nebelhornkonzert. Das ist ein Lärm! Passt aber toll zur gesamten Stimmung.  

Dann geht’s ab in die Koje.

 

22.08.2005

Frühstück mit Fruchtjoghurt, Tee, Brot und Butter. Heute laufen wir aus zu unserem Törn mit der Sedov. Auslaufparade ist angesagt. Die Marineschiffe sind schon weg. Die haben schon in der Nacht abgelegt. Auf unserer Sedov sind seit gestern die Toiletten geschlossen. Die Tanks sind voll und ein Schiff, um diese abzusaugen, ist noch nicht gekommen. Die Dar Mlodziezy und die Alexander v. Humbold werden an uns vorbeigeschleppt. Die Alexander v. Humbold würde auch mal einige Kilo Farbe vertragen. Man hat dieses Schiff, aus der Werbung, ja in so grüner Erinnerung, das es einen fast erschreckt wenn sie dann fast in „rostrot“ vorüberfährt.

 

Dann um 09Uhr15 kommen unsere Schlepper und holen auch uns zur Auslaufparade ab. Leinen los. Jetzt geht’s „auf große Fahrt“. Gegenüber dem Amsterdamer Centraalbahnhof werden wir per Lautsprecher verabschiedet und nachdem auch noch die Nationalhymne gespielt wurde gibt es auch noch einen Salutschuss mit einer alten Kanone die eine Abordnung einer Bürgergarde in alten Uniformen abfeuert. Das Wetter ist leicht bewölkt aber trocken und im laufe desTages wird auch die Sonne unsere Fahrt begleiten. So wie viele kleinere Schiffe aller Bauarten. Viele, viele Menschen an den Ufern links und rechts Winken uns, Klatschen und Pfeifen mit Begeisterung. Ein Löschschiff erzeugt, um uns zu grüßen, eine riesige Wasserfontäne. Kurz vor der Schleuse in die Nordsee legt die Sedov noch einmal kurz an einer Mole an um ein Kamerateam von Bord zu lassen und die letzten beiden Trainees an Bord zu nehmen.

Das schnelle Mittagessen besteht aus Suppe, Huhn gekocht und Reis.

 

Weiter geht’s in die große Schleuse. Vor uns die Kruzenshtern, die Dar Mlodziezy und die Amerigo Vespucci. Neben uns die Mircea, die Pagoria und die Schlepper. So viele bekannte Thallships in einer Schleuse. Das erleben wir nie wieder. A Wahnsinn! Dann geht’s aus der Schleuse bei Ijmuiden. Nochmals Garde in alten Uniformen, Hymne und Salutschuss mit tausenden Menschen die Jubeln und Klatschen. Bis auf den letzten Stein der letzten Mole stehen die Menschen und bewundern die vorbeifahrenden Großsegler. Und das Tüpfelchen auf dem i ist ein kleines Sportboot das plötzlich an unsere Steuerbordseite kommt und einen Musiker an Bord hat der uns einige Stücke von Abba, den Beatles und anderen Interpreten auf seiner Trompete zum Abschied spielt. Der hat sich die Seele aus dem Leib geblasen. Herrlich, diese Begeisterung. Die großen Schiffe vor uns entschwinden irgendwann am Horizont. Und dann sind wir allein auf der Nordsee auf dem Weg in unsere Fahrrinne an der Englischen Küste.

 

Kaffeepause: Es gibt Schokolade-Nuss-Kuchen.

Der Tag vergeht dann mit Bordspaziergängen und den ersten Kontakten unter uns Trainees. Nun sind wir ja alleine und unter uns. Abendessen: Suppe, Saftfleisch mit Buchweizen. Um zu Duschen ist für uns Trainees die Zeit von 20:00 – 22:00 Uhr reserviert. Unter uns haben wir dann noch ausgemacht, dass die erste halbe Stunde die Duschen für unsere weiblichen Teilnehmer reserviert ist. Leider wurde das von den Seekadetten der Sedov nicht immer eingehalten.

 

Und dann ging es in die Bar! In die Kapitänsbar!

Die Sedov ist ja zurzeit unterwegs für eine Filmproduktion. Sie ist aus diesem Grund auch mit schwarz-roten Rumpf unterwegs. Und wegen diesem Anlass sind auch einige Personen des Filmteams mit uns auf der Reise. Der Regisseur, Kaspar Heidelbach, der Schauspieler Klaus J. Behrendt, der Kameramann Daniel Koppelkamm und andere. Diese haben die Kapitänsbar als ihren Aufenthaltsraum geordert und lassen uns an den Räumlichkeiten und billigen Getränken teilhaben. Nach einigen Bierchen und Vodkas geht’s dann um etwa Mitternacht in die Koje.

 

23.08.2005

Frühstück: Heute gibt’s  zum Tee oder Kaffee Brot, Butter und verschiedene Marmeladen.

 

Parusnij Arval: Endlich!

 

Fock, Groß, Untermars und Obermars werden gesetzt und dazu die Stagsegel.

Aber:

Es hat sich was geändert auf der Sedov. Noch bei der letzten Fahrt die wir mitmachten waren die Kadetten viel disziplinierter und schneller. Jetzt geht bei vielen die ganze Arbeit nur mehr mit sichtbaren Widerwillen von der Hand. Und wir Trainees haben das Gefühl das es eigentlich gar nicht recht erwünscht ist wenn wir Mitanpacken. Also gehen wir aus dem Weg. Und unser Traineebetreuer Heiko ist weit und breit nicht zu sehen. Der sollte sich eigentlich um uns kümmern. Tatsächlich ist er untertags kaum für uns greifbar. Und wenn doch, dann kann man den Ärger über die Störung seiner persönlichen (Frei-)zeiteinteilung richtig spüren. Und nicht nur einmal wurde der eine oder andere Lautstark zurechtgewiesen. Heikos Wut- und Schreiausbrüche wurden fast legendär und gaben immer wieder Gesprächsstoff für uns Trainees. Trotzdem brachten wir einen Termin für Schiffsrundgänge der Trainees zustande. Vorschiff, Ankeranlage, Brücke, Kartenhaus und Ruderanlage wurden den „Neulingen“ näher gebracht und erklärt.

 

Als Mittagessen gab es Suppe, gebratene Leber und Salat.

 

Leider drehte der Wind immer mehr und wurde schwächer. Die Segel werden wieder geborgen. Heiko hat noch einen Termin mit einem Beleuchter. Dieser will in das Rigg klettern um zu sehen wie und wo er Beleuchtungsmittel befestigen kann. Als er aber dann nicht kommt klettert Heiko mit Alfred und mir in die erste Saling des Kreuzmastes. Es ist ein Erlebnis für mich, nach so langer Zeit wieder da oben zu stehen. Dafür lasse ich sogar den Nudelsalat ausfallen, der in der Zwischenzeit aufgetragen wird. Ich genieße die Aussicht da oben.

 

Und lasse mir dann das Rindfleisch mit Nudeln zum Abendessen schmecken. Interessant für uns ist, dass es immer wieder Nudeln zu Fleischgerichten gibt. Meist sind es ganz einfach Spagetti zu den verschiedenen Gerichten die immer wieder gut schmecken.

 

Bar

Bier………………..Es fängt zu regnen an.

Vodka

Koje um Mitternacht.

 

24.08.2005

Der erste Rundgang an Bord nach dem üblichen Frühstück ist ziemlich windig und frisch. Die Klettertour in das Rigg mit Gerlinde wird abgesagt. Und der Wind wird immer stärker und kommt genau von vorn auf die Nase. Es regnet wieder. Die Wellen haben schöne Schaumkronen. Der Windmesser hat sich über 15m/s eingependelt und wird später noch an die 24m/s anzeigen. Da geht’s dann rund an Bord und im Wasser. Die meisten Trainees verschlafen da sicherheitshalber den Tag in der Koje. Und dem einen oder anderen wird es zuviel. Da spielt dann der Magen nicht mehr mit. Ich bin fast ständig an Deck. Zwar ziemlich alleine mit den Rudergängern, aber glücklich. Das Schiff stampft sich mit seinem Diesel durch die Wellen. Am Bug kommt immer wieder die Gischt über. Gegen Mittag wird der Wind immer stärker.Ab diesem Zeitpunkt machen wir noch gute Fahrt durchs Wasser aber tatsächlich fahren wir schon mit 0,5-1 Knoten Fahrt über Grund. Zurück!!! Um 14:00 Uhr haben wir dann wieder die gleiche Position erreicht die wir schon um 09:00 Uhr vormittags hatten. Der Sturm hat sich zum 10er entwickelt und die Sedov trägt zwei Rote Lichter übereinander. Und das mitten im Ärmelkanal.

 

Ich genieße dieses Wetter und das gebackene Hühnchen zu Mittag. Genauso schmecken mir die Krapfen zur Kaffeepause und das Zanderfilet mit Reis und Salat zum Abendessen. Ich verbringe denn ganzen Tag, bis zum Abend, an Deck und schlafe nach dem obligaten Barbesuch, gegen Mitternacht, selig in meiner Koje ein. Das war ein schöner Tag!

 

25.08.2005

Heute gibt es zum üblichen Frühstück auch noch Grießbrei. Das Wetter ist kühl, wechselhaft aber meist trocken und sonnig. Wenn die Sonne so in die aufgewühlte dunkelblaue See scheint ergibt dass mit den weißen Schaumkronen immer wieder schöne Eindrücke. Und obwohl sich der Wind und das Meer etwas beruhigt hat, haben wir nur einige wenige Seemeilen gewonnen. Dafür sind wir etwa 10sm weiter nördlicher an der englischen Küste. Ich bin immer wieder im Kartenhaus- da sehe und lerne ich viel. Gerlinde kann endlich mit Heiko und Igor ins Rigg klettern.

 

Zu Mittag gibt’s eine excelente Fischsuppe, faschierte Laibchen, Kartoffel und Salat. Gerlinde pennt. Alfred fotografiert und liegt in der Sonne. Ich sitze auf „meinem Platzerl“ auf dem vorderen Deckshaus und schreibe mein Tagebuch. Backbord querab liegt Jersey und Guernsey. Zur Kaffeepause gibt’s  Marmelade aber auch Dosenfleisch. Unser französischer Trainee schleckt alle möglichen Deckel und Marmeladelöffel ab. Keiner mag mehr nach ihm weiteressen. Diese S…

 

Mittlerweilen haben sich große Wellen im Kanal ausgebreitet und die riesigen Frachter in unserer Nähe Tauchen ihren Bug immer wieder total ein. Dabei erzeugen sie riesige Gischtfontänen. Ein tolles Schauspiel. Das Abendessen ist dafür nicht recht gelungen. Die „gatschigen“ Nudeln mit Fleisch (Fleckerlspeis) wollen nicht recht hinunter. Dafür haben wir noch viel Spaß in der Bar. Unsere Damen hatten ein Problem beim Duschen. Sie hatten angeblich kaltes Wasser. Bei uns Männern, wenige Minuten später, war alles in Ordnung.

Ob das Wasser tatsächlich kalt war oder die Damen zu blond oder zu „blöd“ zum Duschen waren wurde bei einigen Bierchen und Whiskeys ausführlich besprochen und ergab allgemeines stundenlanges Gelächter bei den fantasiereichen Erklärungen. Irgendwann wurde auch das in den Kojen beendet.

 

26.08.2005

Heute werden wir schon am Morgen mit Speck und Spiegelei verwöhnt und ich verdrück gleich drei Portionen die ansonst übrig bleiben würden. Igor macht mit ein paar Trainees eine Knotenlehrstunde am Achterdeck. Ich setzte mich dann zu den Kadetten und mache mit beim Schnuraufwickeln. Dann bin ich mit Igor lange im Kartenhaus wo wie über Wind, Wetter, Kurs und Ausrüstung an Bord quatschen. Igor ist ein toller Gesprächspartner, denn er hat viel eigene praktische Erfahrung. Das Mittagessen heute besteht aus einer Suppe ähnlich einer Minestrone und einem Saftfleisch mit Ebly und gemischten Salat. Nachmittags halte ich ein Verdauungsschläfchen und döse mit Gerlinde an der Bugwand unter der Schiffsglocke im 30 Minutentakt. In diesem Zeitabstand gibt es nämlich die Glockenschläge des Kadetten im Ausguck. Er antwortet damit den Rudergängern oder meldet Objekte die er vor der Sedov sieht. Und da ist es am besten wenn man die Hände schon an den Ohren hat.

 

Am Nachmittag gibt’s dann einen Nudelsalat mit Fisch, Eiern und Gemüse in Majonäse. Heute habe ich meinen faulen und müden Tag. Ich schlafe und döse am Achterdeck mit Musik vom Mp3-Player. Werde ich dazwischen wach, bin ich wieder im Kartenhaus anzutreffen. Borscht, die russische Nationalsuppe und wieder einmal Huhn im Saft mit Curryreis wird am Abend serviert. Bevor  wir uns zum Duschen fertigmachen wird von einem riesigen Maersk Sealand Containerschiff ein Boot ins Wasser gelassen. Alle glauben die wollen zu uns als es genau auf uns zufährt. Aber es fährt knapp hinter uns vorbei in den Atlantik hinaus. Vielleicht hat es außerhalb unserer Sichtweite ein anderes Schiff getroffen. Aber wir haben wieder etwas in der Bar zu besprechen. Aber auch andere Themen werden genauestens zerpflückt und beraten. Von der Rentenreform in Deutschland bis zur Notfallsübung war alles dabei. Dass es dabei immer spät wurde versteht sich fast von selbst. Und das dabei der Promillespiegel konstant anstieg erscheint wahrscheinlich auch ziemlich logisch. Es waren ja keine ganz ernsthaften Diskussionen und wir hatten dabei irrsinnig viel Spaß. Tag für Tag.

 

27.08.2005

Heut wird uns Topfen (Quark) mit Rosinen, schon zum Frühstück, serviert.

 

Wir sind mittlerweilen schon in der Biskaya und freuen uns als es nach dem Frühstück wieder einen Parusnij Arval gibt. Der Kurs wird geändert auf 240° und bis auf Kreuzsegel, den Royals und den Besansegeln alles an Segel gesetzt. Der Wind ist nicht sehr ergiebig und so holen wir nur 8 Knoten Fahrt heraus. Aber besser als nichts. Nach einem kurzen Schauer aus fast heiterem Himmel geht’s endlich wieder einmal zum Essen. Fast alle haben wir schon zugenommen und trotzdem schmeckt uns der Selchroller mit Kraut und Kartoffelpüree hervorragend. Am Nachmittag entwickelt sich das Wetter wieder einmal sehr wechselhaft und gegen 15:00 Uhr werden die Segel erst einmal provisorisch geborgen und die Rahen gebrasst. Der Kapitän erwartet wohl später noch etwas Wind. Gerlinde schläft, um für Tee und jede Menge Kekse gewappnet zu sein. Es bleibt zwar trocken, aber der Wind bläst uns aus SW genau auf die Nase. Und der Kapitän hat wohl auch seine Meinung über den Wind geändert. Er lässt nämlich am Abend die Segel komplett bergen wodurch wir etwas später als üblich zum Abendessen kommen.

 

Lammfleisch, Rollgerste und Letscho, mit der üblichen guten Suppe vorher, gibt es heute. Während meines abendlichen Deckspaziergangs plötzlich große Aufregung unter der kompletten Besatzung. Steuerbords blasen Wale. Zwei, drei, vier, fünf…… Wie viele sind es wirklich? Es sind mehrere große Wale. Aber wie viele? Das bleibt ihr Geheimnis. Ich laufe los um Gerlinde zu holen.  Recht viel sieht sie nicht mehr von den großen Säugern und ihr wird bald kalt.

 

Bar.

Bier und Vodka

Koje: Ich 23:30, Gerlinde 01:00, Igor und Erich, unser holländischer Kajütenkollege 04:30

Die werden am Vormittag wieder gut schlafen!

 

28.08.2005

Heute gibt’s sogar zwei Eier zum Frühstück.

Erich und Igor verschlafen tatsächlich den halben Tag. Sie müssen ja am Abend wieder fit sein. Plötzlich: Der Kadett imAusguck ruft etwas und dieanderen laufen alle zur Reling. Wir natürlich auch. Was gibt es? Etwa 40 Delphine kommen direkt auf die Sedov zu. Ich wieder hinunter, Gerlinde holen. Bis wir wieder an Deck kommen sind die Delfine an der Sedov vorbeigezogen und schon achteraus. Ein paar Videoaufnahmen gehen sich noch aus bevor sie im Atlantik verschwinden. Es gibt wieder leichten Nieselregen. Und zu Mittag; Suppe, Huhn gebraten mit Butterreis und Salat. Am Nachmittag klettere ich mit Alfred auf den Großmast. Vor der zweiten Saling werden die Trittabstände aber sehr groß und das Steigen damit sehr anstrengend. Aber wir haben da oben sehr viel Zeit zum fotografieren.

 

Nach der Nachmittagsjause mit Käse kommt an Deck plötzlich wieder Unruhe auf. Schwertwale kommen genau auf die Sedov zu. Die drei Orkas sind so richtig neugierig. Und so kommen sie an der Steuerbordseite bis an wenige Meter an die Sedov heran, legen sich auf die Seite und blinzeln mit einem Auge zu uns herauf, bevor sie wieder abtauchen. Wir sehen sie zwar noch hinter dem Schiff aber vernünftige Bilder sind nicht mehr zu machen. Schön das mir eine kurze Szene mit der Videokamera gelungen ist. Um 16:00 Uhr sollen wir alle in unseren Kabinen sein. Es gibt eine Rettungsübung die mit unverständlichen russischen Worten über die altersschwache Lautsprecheranlage angekündigt wird. Heiko erwartet uns am Gang, vor den Traineekabinen und zeigt uns den für uns vorgesehenen Fluchtweg. Über einen verrückten Umweg werden wir an Deck zu unseren Sammelpunkt geführt. Momentan weiß keiner wie es weitergeht. Dann werden wir achtern wieder unter Deck geführt um im mittleren Schiffsteil unsere Überlebensanzüge auszufassen. Am

Sammelpunkt streitet dann Heiko ganz energisch mit dem russischen ersten Offizier, weil dieser nicht bereit ist zumindest den Trainees, Verhaltensanweisungen in englisch zu geben. Nach der Vorführung eines Anzuges gehen wir wieder im Gänsemarsch um diese Anzüge wieder abzugeben. Ich und eigentlich wir alle hoffen nie einen Ernstfall mitmachen zu müssen. Diese Übung war das pure Chaos! Schön daran war nur, dass neben uns einige Wale, ihre Atemfontänen über die tiefblaue See geblasen haben. Und nach dem Abendessen mit Suppe, Fischfilet, Püree und Salat geht es mit den Walsichtungen weiter. Wir konnten sie nicht direkt zählen aber es müssen schon einige gewesen sein die uns da begleiteten. Erst die Dunkelheit beendete dieses Schauspiel und „zwang“ uns in die Bar.

 

29.08.2005

In der Nacht wurden die Uhren zurückgestellt. Noch vor dem Frühstück gibt es einen Parusnij Arval bei dem die Stagsegel eingeholt werden. Zum Frühstück gibt es eine Art Fleischstrudel aus Kartoffelteig der nicht so recht hinunter will. Und so geht es am Vormittag weiter. Nichts geht so recht. Es ist diesig und feucht und auch nicht richtig warm. Die Biskaya verabschiedet uns mit dem gleichen wechselhaften Wetter das uns während der ganzen Überfahrt begleitete. Weder Sturm oder große Wellen zeigte uns die „stürmische“ Biskaya. Am späten Vormittag gibt es dann für die meisten von uns einen Fototermin. Man kann sich nämlich gegen Bezahlung einen „Mariners Passport“ anfertigen lassen. Dieser sieht mit dem Schutzumschlag ganz echt aus und weist einen als Kadett der Sedov in Ausbildung aus.Zuhause im Segelklub gibt der was her.  Und außerdem kann man sich alle Reisen eintragen lassen und es entsteht dadurch auch einen persönlicher Erinnerungswert. Und für diesen Pass braucht man eben ein Passfoto.

 

Dieser Termin ergab wieder einmal viel Gelächter. Die verschiedenen Gesichter mit den entsprechenden Kopfbedeckungen sorgten vielfach für Heiterkeit. Und so waren wir richtig ausgehungert als es zum Mittagstisch ging. Mit Suppe, Saftfleisch und Spagetti als Beilage, Salat.

 

Nach dem Essen liege ich auf meinem Platz (eine Bootsattrappe für den Film auf dem vorderen Bootshaus) lese, höre Mp3-Musik, und döse in den Tag hinein bis zum Milchreis am Nachmittag. Nach dem üblichen Blick in das Kartenhaus besetze ich wieder meinen Platz und lasse die Seele baumeln. Oberbrams und Royals werden gesetzt. Und ich träume mit offenen Augen. Der Weltempfänger berichtet vom Hurrikan und den Schäden in New Orleans. Tragisch. Gerlinde ist bei mir und wir lassen gemeinsam den Tag vergehen.

 

Erich, unser „zerstreuter Professor“ lässt sich von Heiko auf den Kreuzmast führen. Erich vergisst ständig etwas. Einmal nahm er sogar ein Buch mit zum Duschen anstatt der Seife. Natürlich hatten wir unseren Spaß daran. Aber wir verstanden uns sehr gut, denn er war in seiner zerstreuten Art ganz liebenswürdig.

 

Noch ein Parusnij Arval gegen 19:00 Uhr. Alle Segel werden geborgen. Ich schreibe mein Tagebuch am Achterdeck fertig bevor ich zum Abendessen mit Suppe und Reisfleisch gehe. Und selbstverständlich geht es zum Tagesausklang wieder in die Bar. *grins*

 

30.08.2005

Abwechslung ist die halbe Mahlzeit. Und so bekommen wir heute jeder drei dicke Scheiben Wurst zum Frühstück. Das herrliche Wetter am Morgen wird bald von Wolken abgelöst und bringt uns wieder einmal etwas Wind. Aber wieder genau auf die Nase. Nach dem Mittagessen mit Suppe, Rindfleisch, Polenta (Mais) und Salat stehe ich lang beim Filmteam. Der Kameramann und sein Assistent bauen ihre Steadycam auf. Das interessiert mich natürlich ganz besonders.

 

An Steuerbord springen Delphine. Sie springen vor lauter Übermut komplett aus dem Wasser und jagen sich aus Spaß gegenseitig. Herrlich, diese Lebensfreude! Der Majonäsesalat mit Gemüseeinlage gibt uns Kraft als wir in das Rigg des Kreuzmastes steigen. Diese Wanden sind leichter zu besteigen, da die Trittabstände nicht so groß sind. Mit Igor klettere ich wieder in die zweite Saling, die Bramsaling. Das umsteigen von der Wante auf die senkrechte Leiter unter der zweiten Saling kostet mich einiges an Überwindung. Die Strickleiter war am unteren Ende nämlich zurzeit nicht befestigt und bewegte sich dadurch in alle Richtungen. Und das gut 40 Meter über Wasser. Aber wir haben den inneren Schweinehund überwunden und es geschafft. Mit dem Blick über das blaue Meer bis an den fernen Horizont wurden wir belohnt. Etwa 40sm im Überblick! Wau!

 

Mittlerweilen haben wir fast die Höhe von Lissabon auf etwa 39° erreicht.

 

Nach dem Abendessen mit Suppe, Fisch und Püree lassen wir den Tag ganz ruhig ausklingen. Der passende Sonnenuntergang wird im Dauerfeuer der Fotoapparate genossen. Rot, rot, rot. Man glaubt Himmel und Meer brennen. Selten ist so ein leuchtender Sonnenuntergang zu sehen. Und am Abend bekommen wir in der Bar unsere ganz neuen Mariners Ausweise. Und jeder Pass ging reihum und wurde von allen mehr oder weniger gut kommentiert. So oder ähnlich machen wir unseren täglichen Spaß in der Bar, bei Bier und Vodka.

 

 

31.08.2005

Frühstück: Edamer Käse. Rest wie üblich.

Leichter Wind aus NE. Wir segeln endlich wieder. Heute gibt es Sonne, Sonne und nochmals Sonne. Gerlinde und ich sitzen am „Krankenhaus“ und beobachten das Bordgeschehen. Und zu sehen gibt es auf so einem großen Schiff immer etwas. Heute haben wir Urlaub. In der Sonne Liegen, ein Huhn mit Reis und Salat speisen, Träumen, die Seele baumeln lassen oder in „die Segel träumen“ und den Nusskuchen genießen.

 

Der Atlantik zeigt sich immer noch von seiner ruhigsten Seite. Der Wind lässt nach. Die Fock wird geborgen. Es ist heiß und schwül am ruhigen Atlantik. Gibraltar liegt Backbord querab. Süden wir kommen. Nach dem Abendessen mit Suppe, Faschierten Laibchen, Rollgerste und Karottensalat bewundern wir den heutigen Sonnenuntergang an Bord. Er ist schön und stimmungsvoll aber nicht so kräftig rot, wie gestern. Dafür geht es nach dem Duschen in die Bar. Genau so wie gestern, vorgestern und vorvorgestern….

 

Um Mitternacht gehe ich mit Gerlinde zum Bug um in der Bugwelle das Planktonleuchten zu bewundern. Die Bugwelle leuchtet im hellen türkis mit dem leuchtenden Plankton. Das Plankton spritzt leuchtend weg. Als ob man mit einer Schleifmaschine Magnesium schleifen würde. Und das ganze kurz nach Neumond mit einem leuchtenden Sternenhimmel der keine Wünsche offen lässt. Wer da seine romantischen Seiten nicht entdeckt, dem ist nicht mehr zu helfen.

 

01.09.2005

Der Griesbrei zum Frühstück geht bei manchen Trainees etwas schwer hinunter.

 

Die leichte Bewölkung leuchtet heute schon bei Sonnenaufgang tiefrot und lässt uns den Tagesanfang genießen. Ich liege dann mit offenen Augen an meinem Platz auf der Rettungsbootattrappe und träume in den Tag hinein. Dabei kann ich total abschalten und meine Gedanken ordnen. Das ist eine herrliche Empfindung. Natürlich werden diese Ruhefasen immer wieder von einem Besuch im Kartenhaus unterbrochen. Ich möchte schließlich wissen wo ich gerade bin und was seitens der Navigation gerade so läuft. Nach dem Mittagessen mit Suppe, Rindfleisch mit Spagettinudeln und Salat gibt es wie immer eine allgemeine Siesta. In dieser guten Stunde wird eigentlich nur bei der Ruderwache Dienst gemacht.

 

Alle anderen geben sich sozusagen dem süßen Nichtstun hin. Anschließend wird heute aber das Deck geschruppt. Es ist allerdings nur Arbeitsbeschaffung und Beschäftigungstherapie für die Mannschaft. Anders kann man dieses planlose Schruppen und Wasserspritzen nicht erklären. Das so mancher Kadett aber auch mancher Seemann dabei pudelnass gespritzt wird, erhöht denn Spaßfaktor an dieser Arbeit. Und um die Mannschaft weiter bei Laune zu halten wird nachmittags Joghurt und Nutella serviert. Alfred, Gerlinde und ich machen uns dann auf den Weg in den Kreuzmast. Kurz vor der ersten Saling, in der ersten Senkrechten Leiter, kleben plötzlich die Hände förmlich in den Wanten. In der Saling ist dann wieder alles normal. Aber als ich dann Weitersteige in die zweite Saling dasselbe Erlebnis. Wir haben übersehen das die Kadetten die Wanten teilweise neu gestrichen haben. Und für diese Unachtsamkeit werden wir mit total schwarzen, klebrigen Händen belohnt. Momentan konnten wir sowieso nichts machen, denn wenn mal einmal hineingegriffen hat ist man sowieso schwarz. Also was soll´s.  Nur das Fotografieren wird zur Akrobatischen Übung. Wir wollen ja schließlich den Fotoapparat nicht verschmutzen. Die Aussicht da oben hat es aber, wie immer, in sich. Und wir sind da oben irgendwie frei. Klingt zwar blöd, ist aber so. Als wir uns dann auf denn Abstieg begeben kleben wir wie Geckos an den Wanten. Unten angekommen lacht uns schon der zuständige Bootsmann entgegen und bring uns gleich zu seinen Kunstharzvorräten. Mit dieser Kunstharzverdünnung und ein paar Fetzen bringen wir auch diese klebrige, schwarze Masse von unseren Händen. Und die Kadetten haben so ihren Spaß an unserer „Blödheit“.

 

Nun ja; Wir belohnen uns indem wir dem geöffneten Souvenirshop einen Besuch abstatten und allen möglichen Blödsinn einkaufen. Aber momentan sind diese Dinge irgendwie wichtig für uns. Shirts, Ansichtskarten, Abzeichen und Co wechseln gegen harte Währung die Besitzer. Macht doch auch Spaß. Man gönnt sich ja sonst nichts! Später stehe ich dann angriffsbereit auf allen mögliche Stellen an Deck herum um bei der ersten Gelegenheit von Regisseur Heidelbach und Schauspieler Behrendt ein Autogramm zu erbitten. Da ich mir bei diesem herumstehen irgendwo auch meine Hose schwarz einfärbe werden auch meine Waschkünste und Fleckentfernungsideen noch gefordert. Aber auch dieses Problem wird gelöst. Das Abendessen mit Suppe, Rinderzunge in Senfsauce mit Püree und Salat wird von einigen verweigert. Auch von unserem „Brutalogourmet“, dem Franzosen, der sich seit Reisebeginn von Brot und zentimeterdicker

Marmelade darauf ernährt. Mir schmeckt es dafür umso besser und ich haue mir im wahrsten Sinne des Wortes denn Bauch so richtig voll. Da ich auf der bisherigen Reise sowieso schon einige Kilos zugelegt habe ist dieses Essen auch schon egal. Noch dazu wenn es soooo gut ist. Und anschließend muss ich mich zum Verdauen umlegen. Schreibe  aber dabei mein Tagebuch. Natürlich wird die Bar nicht vergessen oder ausgelassen.

 

Und zum Tagesabschluss gehe ich mit Gerlinde nochmals „Planktonleuchten“ anschauen.

 

02.09.2005

Und gleich zum Frühstück geht’s mit der Völlerei weiter. Die Speckstreifen die da serviert werden sind nicht jedermanns Sache. Ich jedoch?......

 

Morgenklatsch an der Reling, Nachrichten am Weltempfänger abhören und immer wieder den Platz wechseln. Das Deck wird wieder gewaschen. Wir laufen ja Morgen in Santa Cruz ein. Und da soll alles in Ordnung sein. Aber diese Planlosigkeit! Heiko spinnt sich wieder einmal total aus und schreit im Leninraum herum. Von wegen viel Arbeit mit dem T-Shirt verkauf und den angeblichen nicht bezahlten Kaffees. Außerdem freue er sich schon, endlich seinen Jahresurlaub zu genießen. Dabei ist er doch erst gut drei Monate am Schiff! Natürlich reden wir Trainees darüber, aber wirklich aufregen tut es keinen mehr. Das ist Heiko! Er ist halt so!

 

Victor, der Kapitän, kommt um elf Uhr von der Brücke zum Volk herab. Er hat uns zugesagt sich zu uns zu stellen um ein Gruppenfoto zu machen. Das ist etwas ganz, ganz seltenes und dafür gibt es Applaus. Vom Volk. ;-)  Aber ich danke hier auch Klaus aus Emden dafür. Er kennt Viktor gut und hat ein gutes Wort für uns eingelegt. Danke Klaus.

 

Und auch jeder einzelne Trainee bekommt die Gelegenheit ein persönliches Foto mit dem Kapitän zu bekommen. Aber auch Konstantinovitch, die Steuermannlegende, wird als Fotomodell mit einbezogen. Mittagessen: Fischsuppe, Schweinskotelett gebacken mit Spagettinudeln und Salat. Ich ruhe auf „meinem“ Boot.

 

Gegen 15:00 Uhr sehen wir eine große Meeresschildkröte an Backbord. Zur Jause gibt dann Lachsscheiben, Brot  und einen Salat aus Roten Rüben, Linsen, Erbsen und Kartoffeln. Das ganze mit Zwiebelscheiben abgemacht, schmeckte es vorzüglich. Wir Trainees schauen dann dem Filmteam zu wie sie eine Kamera auf den Großmast bringen und von oben einige Aufnahmen beim anschließenden Segelbergen machen. Dann sitzen wir vorm Kartenhaus und erzählen Witze vom und mit unserem „Sedovschlumpf“. Erich, unser Kollege aus Noord-Holland, darauf legt er Wert, hat sich während der Reise nicht rasiert. Der stark weiß durchzogene Vollbart, seine Größe, seine Art, und sein Foto im Mariners Passport haben irgendwen von uns das Wort Schlumpf in den Mund nehmen lassen. Das wurde logischerweise weitergesponnen bis das Wort „Sedovschlumpf“ geboren war. Und nachdem jeder immer wieder seinen  persönlichen Kommentar dazugab war der Nachmittag schon wieder gerettet. Wir haben viel zu gelacht bei den verschiedensten Ausführungen dazu. Es war aber nichts böse gemeint, denn Erich war uns ein ganz lieber und netter Reisekamerad. Abendessen: Suppe, Geselchte Würstel (Krainer), Reis und Salat. Und auch in der Bar gibt es wie immer jede Menge lustige „Sager“, dass keinem langweilig wird.

 

03.09.2005

Bei Tagesanbruch treibt die Sedov einige Seemeilen vor Santa Cruz. Es ist noch stockdunkel als wir an Deck kommen und die Lichter der Stadt in einiger Entfernung funkeln. Wir müssen hier auf den Lotsen warten, der erst für 10:00 Uhr bestellt ist. Viele lassen sich auf dem Vorschiff mit Santa Cruz als Hintergrund Fotografieren. Einige Fähren fahren nahe an uns vorbei um das außergewöhnliche Schiff zu betrachten. Die Guardia Civil umrundet uns mit ihrem großen Motorboot. Dafür kommt der Lotse mit einem mickrigen alten Seelenverkäufer. Die Schlepper sind da schon ein anderes Kaliber. Sie nehmen uns an die Trosse und ziehen und schieben uns in den Hafen. Dabei wird leider auch einiges von der schwarzen Farbe am Rumpf der Sedov wieder abgescheuert. Die Sedov wird an der Außenmole des Handels- und Fährhafens von Santa Cruz festgemacht. Das war´s!  1865,2 Seemeilen sind hinter uns.

 

 

Einige Personen und Bekannte des Filmteams warten schon an der Mole und kommen sofort nachdem die Herren vom Zoll an Bord waren, an Bord. Wir gehen am Nachmittag in die Stadt um einen ersten Eindruck der Insel zu gewinnen. Santa Cruz, ist so wie in den Reiseführern beschrieben sicher keine Urlauber oder Touristenstadt. Und trotzdem hat auch sie ihre netten und sehenswerten Ecken. Die Fußgängerzone die sich gleich vom Hafen in die Stadt hineinstreckt könnte an vielen Orten genau so vorhanden sein. Aber da und dort, ein wenig Abseits gibt es durchaus schöne Parkanlagen, gepflegte Blumeninseln und vor allem immer wieder schöne alte Häuser.

Diese Häuser dürften vielfach noch aus der Zeit stammen als Santa Cruz noch Hauptstadt war.

 

Am Abend sitzen wir dann in einem gemütlichen Gastgarten und laden ein paar Kadetten der Sedov auf einige Getränke zu uns ein. Die Konversation mit den Kadetten war ausgesprochen lustig. Die Kadetten waren weg von  Schiff und Aufsicht und dadurch das erste Mal so richtig locker. Mit Händen Füßen und allen möglichen Sprachfetzen wurde über alles Mögliche gescherzt und gelacht. Ziemlich spät und leicht angeheitert kamen wir zur Sedov zurück.

 

 

 

04.09.2005

Unser letzter Tag mit Abschied von der Sedov.

 

Sie hat ja schon die Filmdekoration angeschraubt bekommen und ist jetzt die Pamir. Heiko versucht nochmals Terror zu machen und verlangt dass wir bis 10:00 ausschiffen. Denn er hat anschließend frei. Sein Jahresurlaub ist endlich fällig.(siehe 02.09) Der persönliche Abschied von ihm fällt dann wieder überaus herzlich aus. Da soll sich einer auskennen.

 

An der Pier sind schon einige Statisten für den Film. Der kleine Teil des Teams, der mit uns die Reise mitmachten hat bereits gestern die Sedov gegen ein Hotel eingetauscht. Wir gehen zwar von Bord lassen aber unser Gepäck noch da. Wir schlendern nochmals durch die Stadt bis zum Mittagessen, das wir neben einem stark befahrenen Taxistandplatz einnehmen und halten nach einem großen Wagen Ausschau. Als ein Kleinbus vorfuhr wurde der von Igor sofort „requiriert“. Wir beglichen noch die Rechnung, fuhren dann mit dem Taxi nochmals zur Sedov um unser Gepäck zu holen und ließen uns dann zum Flughafen bringen. Igor hatte da noch massiven Ärger mit der Condor, die ihn erst nicht transportieren wollte. Nachdem alles geklärt war, blieb uns nur noch ein kurzer Abschiedsdrink und eine herzliche Verabschiedung bevor unsere Wege sich trennten. Gleich darauf ging auch unsere Maschine nach München. Da pünktlich angekommen war unser Sohn mit dem Auto da der uns dann nach Hause fuhr.

 

Resümee:

 

Die Sedov, dieser alte Frachtsegler hat einen ganz eigenen Charme. Das sie noch dazu das größte Schiff dieser Art ist gibt dem ganzen natürlich noch eine besondere Note. Wie gut der Zustand des Schiffes ist kann ich nicht genau feststellen. Eines aber weis ich genau: Man könnte noch viel mehr aus dem Schiff machen. Wenn nicht die russische Mentalität dagegenstehen würde. Viele Dinge würden sich ganz leicht beheben lassen, ohne einen einzigen Cent zu kosten. Aber keiner sieht sie. Oder fühlt sich verantwortlich dafür. Mannschaft und Kadetten sind ja da, nur macht keiner einen Handgriff ohne Auftrag. Als Beispiel seien die Duscharmaturen angeführt. Einige sind nur seitenverkehrt montiert wodurch der Duschschlauch abknickt und kein Wasser mehr durchlässt. Keiner kommt auf die Idee einen Gabelschlüssel zu nehmen und diese Armatur umzudrehen. In zehn Minuten wäre alles erledigt. Oder lockere Schrauben die

nicht sein müssten usw… Da ist vieles „Russisch“.

 

Die Disziplin der Kadetten gegenüber den Ausbildern ist eigentlich nicht mehr vorhanden. Diese stehen oftmals absolut gelangweilt bei der Arbeitseinteilung, mit den Händen im Hosensack und schauen in die Gegend. Wenn sich dann eine Arbeit mit einer Hand im Hosensack durchführen lässt, dann wird diese auch so gemacht. Das ist nicht gut.

 

Die meisten der Offiziere sind sehr höflich und auch sehr zugänglich. Sie beantworten auch gerne Fragen über Navigation und Schiffsführung. Die Küche ist mir persönlich in besonders guter Erinnerung. Leider habe ich auf dieser Reise einige Kilos zugelegt und muss sie nun wieder herunterschwitzen. Aber das war es mir wert. Die Suppen waren allesamt einfach lecker. Die Hauptspeisen immer abwechslungsreich und geschmackvoll. Meist einfach, aber gut. Es gab immer irgendwelchen Nachtisch. Und sei es „nur“ ein Apfel. Das aber nicht alles jedem schmeckt ist ganz natürlich Und nachdem wir diesmal nur eine Traineegruppe zum Essen waren, hatten wir auch Zeit genug dafür. Nachdem die Filmleute an Bord waren durften wir auch die Bar benützen und konnten uns mit sehr preisgünstigen Getränken laben.

 

Heiko? Nun, Heiko mag ein interessantes Aussehen haben und vielleicht ist er sogar ein guter Seemann. Aber als Traineebetreuer hat er nichts verloren. Das ist nicht der Beruf für ihn. Der grossteil der mitreisenden Trainees war als Reisepartner bestens. Leider kann man sich das nicht schon vorher aussuchen. So sollte es nämlich sein. Wir waren ja schließlich auch aus sechs verschiedenen Nationen plus der russischen Mannschaft und hatten unheimlich viel Spaß zusammen

 

Und ich:

 

Ich werde irgendwann wieder eine Reise auf der Sedov unternehmen.

 

Adolf B.       -wizards@gmx.at

 

(Alle Photos von Adolf sind in größerem Format über die Hauptseite - Photos zu sehen)