Leutnant GEORGIJ SEDOV 

(1876 - 1914)

Er war der Sohn eines Fischers von der Küste des Asow`schen Meeres. Sedov hatte einen harten, hindernisreichen Weg zurückzulegen bis er eine Ausbildung zum Leutnant der russisch-zaristischen Marine absolviert hatte. Seine Lebensgeschichte weicht kaum ab von der anderer außergewöhnlicher Seeleute und Forscher. 

Im Alter von 18 Jahren verließ Sedov sein Zuhause und besuchte die Marineschule in Rostow am Don. 1898 bestand er die Navigatorenprüfung am Schwarzen Meer. Aber während dieser ganzen Zeit strebte er nach Höherem, Bedeutungsvollerem. Er bewarb sich um einen Offiziersposten in der hydrographischen Abteilung der Marine. Nachdem er angenommen wurde, bildete er sich selbst zu einem ausgezeichneten Vermesser der arktischen Küste Ostsibiriens aus. Auf Grund seiner brillanten Erfolge wurde er zum Kapitän befördert.

Als er 1903 in Archangelsk war, beobachtete er den Aufbruch der amerikanischen Nordpolexpedition, welche sich später als Mißerfolg erwies. Dieses war der Ausgangspunkt für Sedov`s Idee, selbst und im Namen Rußlands den Pol zu erreichen.

Es bedurfte einiger Jahre, die konservativen Gehirne der alten Admiralitätsoffiziere für diese Idee zu gewinnen und für allgemeine Verbereitung zu sorgen, Sedov schaffte es dann aber doch, jedermann für seinen Plan, den Pol zu erreichen, zu begeistern. Doch leider bekam er dafür keine finanziellen Mittel von der Regierung. Seine 1912 gestartete Expedition war inoffiziell. Das Marineministerium wollte nichts damit zu tun haben, aber es erlaubte ihm diese Expedition durchzuführen. Er wurde in den Rang eines Leutnants befördert.

Sedov machte allein weiter. Von einem Kaufmann aus Archangelsk bekam er Geld und einen Schoner. Zurückblickend auf alle Schwierigkeiten muß man heutzutage sagen, daß Sedov`s Expedition von Anfang an zum Scheitern verurteilt sein mußte. Nur seine gewaltigen Anstrengungen, seine Energie und Willenskraft ,machten es möglich, die Idee weiter zu verfolgen

Sedov`s Schoner "Saint Foka" verließ Archangelsk sehr spät, was sich als fatal erwies. Der Herbst kam mit Stürmen und Eisfeldern. Aber als Expeditionsleiter hatte er eine Entscheidung zu treffen - sie hieß "jetzt oder nie". So startete die Expedition Ende August 1912. Es gab jede Menge Schwierigkeiten, so daß Sedov und seine Crew (insgesamt 17 Männer) zwei harte Winter an Bord der "Saint Foka" überstehen mußten (1913 und 1914), bevor der richtige Moment zum Aufbruch kam. Während dieser Zeit wurden eine Menge Männer durch Skorbut geschwächt und der Expeditionsleiter bekam eine Lungenentzündung. Es wäre besser gewesen an Bord des Schiffes zu bleiben, aber am 15.2.1914 brachen Sedov und zwei seiner Leute an der Südküste des Franz-Josefs-Land mit Hundeschlitten zum Pol auf. Sedov war sehr krank und völlig geschwächt - vielleicht ahnte er seinen baldigen Tod. Aber er lehnte alle Vorschläge seiner Begleiter auf Rückkehr ab. Sie hätten 900 Meilen zurüchzugehen; im Namen Rußlands hatte er weiterzugehen. Doch am 82 Längengrad des Franz-Josefs-Land, starb Sedov.

Als ein Held, wahrer Seemann und Forscher, hingegeben seinem Ziel und seinem Land, wurde er von der sowjetischen Bevölkerung sehr gewürdigt. Zwei Schiffe - ein für seine gute Arbeit bekannter Eisbrecher in der Arktis (ca. 1930) und das Segelschulschiff wurde nach ihm benannt.